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Angst vor Bankenkrise wächst

21.07.2014

Die Muttergesellschaft der portugiesischen Banco Espírito Santo ist pleite

Nach der Pleite der Muttergesellschaft Espírito Santo International (ESI) werden auch die Zweifel an der Zahlungsfähigkeit der Großbank Banco Espírito Santo (BES) stärker. Inzwischen hat die ESI am Wochenende in Luxemburg (wo sie ihren Sitz hat) wie erwartet Gläubigerschutz beantragt, weil sie ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen könne. "Ein solches Verfahren ermöglicht es, die Interessen der Gläubiger in transparenter und geordneter Weise unter der Aufsicht der Gerichte zu verteidigen", begründete die Gruppe ihren Antrag.

Die Insolvenz war absehbar, nachdem schon vergangene Woche die zu der Gruppe gehörende Investmentgesellschaft RioForte einen Kredit an die Portugal Telecom (PT) im Umfang von 847 Millionen Euro nicht zurückzahlen konnte.

Nun steigt die Nervosität angesichts der Frage, wie sich die Lage für die Großbank weiter entwickelt. Die ESI bildet einen Teil der Gruppe GES (Grupo Espírito Santo), die mit einem Anteil von gut 20 % der Hauptaktionär der Bank ist. Wenn der größte Anteilseigner zahlungsunfähig ist, hat das natürlich auch Auswirkungen auf die Bank. Und die hat noch andere Probleme. Ob sie nur mit 1,3 Milliarden Euro an den Verlusten bei der Muttergesellschaft beteiligt ist, kann man glauben oder nicht. Im Umfang dramatischer ist, dass auch massive Kreditausfälle erwartet werden. Bei der angolanischen Tochter der Bank BESA soll unklar sein, an wen Kredite in einer Gesamthöhe von 5,7 Milliarden Dollar (4,2 Milliarden Euro) gegangen sind.

Die Sorgen um Espírito Santo hat die Börse in Lissabon am Montag erneut auf Talfahrt geschickt. Auch die europäischen Banken gehen erneut in den Keller, nachdem sich schon vergangene Woche Anzeichen von Panik und Angst vor einer neuen Bankenkrise gezeigt haben. Es bleibt abzuwarten, ob eine Zuspitzung bei der Bank einen Bank Run auslöst, bei dem viele Sparer gleichzeitig versuchen, ihr Geld abzuheben. Nach Zypern hat zuletzt Bulgarien gezeigt, dass die alles andere als unvorstellbar ist.

Dass die portugiesische Regierung in der Frage herumeiert, könnte zudem viele Sparer dazu drängen, ihre Einlagen abzuziehen. Zudem dürfte im Hinblick auf den Testfall Zypern klar sein, dass in Portugal im Fall einer neuen Banken-Rettung eine Zwangsabgabe für Sparer fällig wird, wie sie im Rahmen der EU-Bankenunion vorgesehen ist. Bisher hatte die Regierung kategorisch ausgeschlossen, dass ausgerechnet die größte Bank des Landes mit Steuergeldern gerettet wird, nachdem alle anderen börsennotierten Institute zuvor gerettet wurden.

Es ist allerdings wenig wahrscheinlich, dass die Konservativen ausgerechnet diese Bank fallen lassen. Die neuesten Aussagen der Regierung hören sich längst vorsichtiger an. Nun erklärt Finanzministerin Maria Luís Albuquerque nur noch, eine Kapitalerhöhung mit staatlichen Mitteln sei nicht geplant. Und Planungen können sich schnell ändern, wie wir in den Jahren der Finanzkrise überall gesehen haben. Die Regierung und die portugiesische Zentralbank hoffen noch, dass sie private Geldgeber für eine neue Kapitalerhöhung bei der Bank finden.

Nachdem sich der Zentralbankchef optimistisch gezeigt hatte, dieses Ziel zu erreichen, hatte sich die Börse kurz stabilisiert. Doch das war wenig nachhaltig und schon am Freitag ging es wieder deutlich bergab.

Inzwischen gibt es auch Stimmen, die angesichts einer allgemeinen Überbewertung an den Aktienmärkten von einer möglichen allgemeinen Kurskorrektur sprechen, wofür die Krise um die portugiesische Bank der Auslöser sein könnte. Steigende Kurse für viele Werte werden vor allem durch die Geldschwemmen der Notenbanken angefeuert. So hatte vergangene Woche sogar die Chefin der US-Notenbank vor einer Blasenbildung gewarnt.


Bei der Schweizer Großbank UBS ist man deshalb vorsichtig: "Wir sind besorgt. Wir reduzieren die Risiken – für jetzt", erklärte der UBS-Banker Stephane Deo. Für die UBS ist klar, dass "die Aktienmärkte übergeschossen sind." Auch Deo meint, dass Kapital schnell in riskante Vermögenswerte geflossen sei. Die Reaktionen auf die Nachrichten von der BES in Portugal interpretiert die UBS "als ein Zeichen, dass der Markt tatsächlich zu leichtsinnig ist und schnell korrigieren könnte". Er führt dafür an, dass portugiesische Banken und Firmen in die Pleite von Espírito Santo verstrickt sind.

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