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Antarktis: Gletscher kaum noch aufzuhalten

13.05.2014

In der Westantarktis haben einige Gletscher vermutlich den Punkt ohne Wiederkehr überschritten. Über einen Zeitraum von einigen 100 Jahren werden sie den Meeresspiegel um 1,2 Meter ansteigen lassen

Aus der Antarktis kommen schlechte Nachrichten für Küstenbewohner. Dort, genauer in der Westantarktis, wo der größte Teil der Gletscher auf Felsen ruht, die unter dem Meeresspiegel liegen, untersuchen Forscher seit Jahren intensiv das Verhalten des Eises. Schon im Januar hatten wir von einer Studie berichtet (Gletscherschwund in Antarctica), die einigen der größeren Gletscher an der Amundsen See bescheinigte, dass sich deren Massenverlust in den nächsten Jahrzehnten erheblich beschleunigen wird.

Eine neue Studie bestätigt nun, dass auch die benachbarten Gletscher mit zunehmender Geschwindigkeit schrumpfen und vermutlich bereits den Punkt ohne Wiederkehr überschritten haben. Zwar geht es nur um einen kleineren Teil des antarktischen Eises, aber immerhin schon um genug Gefrorenes, um bei vollständigem Verschwinden den Meeresspiegel im globalen Mittel um 1,2 Meter steigen zu lassen. "Dieser Teil der Antarktis wird in den nächsten Jahrzehnten und Jahrhunderten einen großen Beitrag zum Meeresspiegelanstieg leisten", meint Eric Rignot von der University of California Irvine. "Eine konservative Schätzung wäre, dass es einige Jahrhunderte dauert, bis das Eis vollständig ins Meer geflossen ist."

In der Antarktis sind anders als auf Grönland die Temperaturen so niedrig, dass es keine größeren Schmelzwasserflüsse gibt. Der Eisverlust findet neben dem Abbrechen an der Schelfeiskante vor allem durch Abtauen an der Unterseite des Schelfeises statt (siehe Grafik). Letzteres ist den Wissenschaftlern erst seit wenigen Jahren bewusst. 2012 hatte eine Studie geschlossen, dass ein verstärkten Aufsteigen von wärmerem Tiefenwasser für das beobachtete Abtauen an den Schelfunterseiten verantwortlich sein muss. Ursache für dieses Aufsteigen sind die zirkumpolaren Winde, die aufgrund der Erwärmung stärker werden.

Die Autoren der jüngsten Untersuchungen haben sich nun vor allem mit den sogenannten Grundlinien der Gletscher beschäftigt. Das ist der Bereich, bis zu dem das Eis auf dem Felsen liegt. Seewärts von diesem Punkt schwimmt es, immer noch mehrere 100 Meter dick, als Schelfeis auf dem Meer. (Übrigens: Sobald das Eis schwimmt, verdrängt es die gleiche Menge Wasser, die in ihm gefroren ist. Sein Tauen trägt also nicht mehr zum Anstieg des Meeresspiegels bei. Dieser wird allein durch die Abnahme des aufliegenden Eises verursacht.)

Zurück zu den Grundlinien: Durch das vermehrte Abtauen an den Rändern wird das Eis leichter und mehr schwimmt auf. Das heißt, die Grundlinie wandert landeinwärts. Letzteres heißt aber auch, dass der Gletscher an seiner Unterfläche weniger Reibung erfährt und daher schneller, durch sein Eigengewicht gedrückt, Richtung Meer fließen kann. Verstärkt wird diese Rückkoppelung bei den Gletschern an der Amundsen See noch dadurch, dass das Gelände ins Landesinnere abfällt, das Meerwasser also förmlich unter das Eis nach unten gezogen wird.

Tpografie des Grundfelsens in der Westantarktis. Die grünen Flächen liegen über, die braunen unter dem Meeresspiegel. Je dunkler das Braun, desto tiefer das Gelände. Die Pfeile geben die Fließrichtung des Eises an. Rote Pfeile stehen für besonders hohe Fließgschwindigkeiten.

Rignot und seine Kollegen haben zweierlei gemacht, um zu der oben zitierten Schlussfolgerung zu kommen. Zum einen haben sie die Topografie des subglazialen Geländes unter die Lupe genommen (siehe Grafik). Dabei stellten sie fest, dass es landeinwärts kaum Erhebungen unter dem Eis gibt, die dessen Fluss abbremsen könnten.

Zum anderen haben sie sich angeschaut, mit welchem Tempo sich die Grundlinien zwischen 1992 und 2011 bewegt haben. An den beiden schnellsten Gletschern waren es immerhin 31 und 35 Kilometer in 20 Jahren. Herausgefunden haben sie dies übrigens, indem sie Radardaten von Satelliten analysierten, mit denen auf wenige Zentimeter genau die Höhe des Eises bestimmt werden kann. So konnten sie die von den Gezeiten verursachten Bewegungen des Eisschelfes beobachten und bestimmen, wie weit ins Inland hinein diese reichten. Dort, wo sich das Eis nicht mehr im Rhythmus von Mond und Sonne bewegt, weil es nicht schwimmt, fängt der auf dem Untergrund gleitende Gletscher an.

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