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Arbeiten im Urlaub

04.07.2011

Mehr als die Hälfte der Angestellten ist nach einer Umfrage auch im Urlaub mit der Arbeit beschäftigt, der Trend zur Urlaubsarbeit nimmt zu

Notebooks, Netbooks und Smartphones ermöglichen es zusammen mit dem Ausbau der Funknetze, immer erreichbar zu sein, auch unterwegs. Die Kehrseite ist, dass man stets an der Leine hängt und eigentlich nicht mehr "fort" ist, egal wie weit man gereist ist, wenn man sich nicht in einem Funkloch befindet. Und weil man erreichbar sein kann, wird dies auch im Urlaub erwartet - nicht nur von Freunden und Familienangehörigen, sondern auch von Arbeitgebern, Mitarbeitern und Kunden.

Nach einem Bericht, für die die GfK im Auftrag von Lastminute.de 1000 Berufstätige über 18 Jahre in Deutschland befragt hat, arbeiten bereits 58 Prozent auch im Urlaub und in der Freizeit, bei den Angestellten sind es 53 Prozent. Bei den Männern sind 61 Prozent, bei den Frauen 54 Prozent. Und 19 Prozent haben jeden Tag im Urlaub mit ihrer Arbeit zu tun.

Das soll von fast einem Viertel der Arbeitgeber auch so erwartet werden. Immerhin 55 Prozent stellen nicht ab, sondern werden auch von ihren Chefs oder Kollegen kontaktiert. Ein kurzer Anruf ist zwar nicht schon normale Arbeit, aber er lässt die Arbeit trotzdem wieder eindringen in die Freizeit, wobei natürlich bei vielen Berufen die einst scharfe Grenze zwischen Arbeit und Freizeit längst verschwommen ist, zumal wenn man auch gelegentlich im "Home Office" arbeitet. Dazu siehe auch eine von Bitkom in Auftrag gegebene Studie: Jeder dritte Berufstätige ist immer erreichbar. 88 Prozent geben an, auch außerhalb regulären Arbeitszeit für Kollegen, Vorgesetzte oder Kunden über das Internet oder das Handy erreichbar zu sein. "Eine klare Trennung zwischen Job und Arbeit gibt es für die meisten Berufstätigen nicht mehr", so Bitkom-Präsident Dieter Kempf.

Nicht verwunderlich ist auch, dass die jüngeren Menschen eher und länger auch in Urlaub und Freizeit mit Arbeit verbringen und dass mit höherem Einkommen und höherer Bildung die Arbeit zum Teil der Freizeit wird. Der Trend zur Urlaubsarbeit wachse, aber das scheint die wenigsten zu stören, nur 31 Prozent sind verärgert und nur 22 Prozent streiten sich deswegen mit ihrer Partnerin oder ihrem Partner. Spaß macht es aber auch nur 28 Prozent, 29 Prozent geben an, sie könnten sich nun endlich um das kümmern, wozu sie im Arbeitsalltag nicht kommen. 33 Prozent haben Angst, dass sonst zu viel liegen bleibt, sie also erst recht von Arbeit überwältigt werden, 46 machen dies aus Verantwortungsgefühl heraus.

Lastminute.de erhofft sich neue Geschäftsmöglichkeiten. "Für mehr als jeden zweiten Berufstätigen ist die schönste Zeit des Jahres heute eher die schönste Arbeitszeit des Jahres: statt am Schreibtisch wird eben am Pool gearbeitet. An Abschalten ist bei den Urlaubsarbeitern nicht zu denken, die Erholung leidet massiv", kommentiert Jörg Burtscheidt, Geschäftsführer von lastminute.de, der dafür "kämpfen" will, dass die freie Zeit wieder arbeitsfrei werden soll. Fragt sich nur, wie Lastminute.de dies machen will: Vermittlung von Reiseangeboten nur noch, wenn von den Anbietern Internet- und Handy-freie Reisen und Aufenthalte garantiert oder Anrufe, Mails oder SMS von Chefs und Kollegen ausgefiltert werden? Weil das nicht geht, bietet man angeblich einen angeblich klingelfreien Urlaub an, was aber eher heißt, Urlaubsreisen möglichst weit weg in Regionen, die noch nicht so ganz gut erschlossen sind wie ländliche Gebiete in Kanada, Australien oder Namibia, oder "Hotels mit keinem oder kaum Handy-Empfang" anzubieten.

Telepolis hat auch eine Umfrage zum Thema geschaltet: Ist die Trennung von Arbeit und Urlaub nicht mehr zeitgemäß?

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