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Aufklärung über den geheimen Drohnenkrieg der CIA

13.08.2011

Nach einem Bericht des Bureau of Investigative Journalism starben mehr Menschen, darunter auch zahlreiche Zivilisten, bei den gezielten Tötungen aus der Ferne, als das Pentagon zugeben will

Eingeführt wurde der grenzenlose Krieg mit den Killerdrohnen im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet von George W. Bush, ausgebaut wurde er unter dem Friedensnobelpreisträger Barack Obama. Die Drohnen starten von Afghanistan, werden aber von CIA-Angestellten in den USA gesteuert, die auch die Hellfire-Raketen abfeuern, mit denen verdächtige Taliban- oder al-Qaida-Führer gezielt aus der Ferne getötet werden sollen.

Offiziell kritisiert die pakistanische Regierung immer wieder den Einsatz der Drohnen, weil angeblich viele Zivilisten dabei getötet würden, duldet dies aber offenbar, während bemannte Kampfflugzeuge oder der Einsatz von US-Soldaten nicht zugelassen werden. Die Pakistanis lehnen nach Umfragen die Drohnenangriffe mehrheitlich ab. Von dem Killkommando Bin Ladens war das pakistanische Militär überrascht worden, das sich dann aber auch zurückgehalten hat. Trotz des danach entstandenen politischen Konflikts wird das Drohnenprogramm fortgesetzt und die Einsätze weiter erhöht. Das dürfte weiterhin der Fall sein, zumindest so lange, bis die meisten US-Soldaten abgezogen sind.

Während das Pentagon natürlich behauptet, dass die gezielten Tötungen genau sind, ihnen kaum Zivilisten zum Opfer fallen und in der Regel Taliban- oder al-Qaida-Führer, nicht einfache Kämpfer eliminiert werden, sieht die Wirklichkeit anders aus, zumindest nach einem Bericht des britischen Bureau of Investigative Journalism, für den alle Informationen, die über die Drohnenangriffe vorhanden waren (Medienberichte, Zeugenaussagen, Berichte von NGOs und Anwälten, geleakte geheime Dokumente etc.) , gesichtet und neu bewertet wurden. Die gesammelten Informationen können auf der Website durchsucht werden, dazu gibt es auch Karten, wo die Angriffe stattgefunden haben.

Seit 2004 sind danach bis zum 12. Juli zwischen 2.292 und 2.863 Menschen bei insgesamt 291 Angriffen getötet worden, 239 wurden seit Beginn der Präsidentschaft von Obama ausgeführt. Das sind 8 Prozent mehr als nach den offiziellen Angaben des Pentagon. Nach glaubwürdigen Berichten, so die Autoren, wurden mindestens 160 Kinder getötet. Insgesamt sind zwischen 385 bis 775 Zivilisten durch die Drohnenangriffe ums Leben gekommen. Nach aktuellen Angaben der US-Regierung seien hingegen 2.050 Menschen getötet wurden, darunter nur 50 Zivilisten. Unter den Toten sollen sich nur 126 mit dem Namen bekannte Militante befunden haben, bei den übrigen handelt es sich um unbekannte Kämpfer niederen Rangs. Verletzt wurden bei den Angriffen mindestens 1.114 Menschen. Damit wurden erstmals auch die Verletzten erfasst.

Offenbar wurden im letzten Jahr weniger Zivilisten getötet, in der Bush-Zeit wurden auch deutlich mehr Kinder zum Opfer. Der Bericht geht von mindestens 45 getöteten Zivilisten 2010 aus, das Pentagon erklärt, man könne keine Opfer bei Zivilisten bestätigen. Das will man freilich auch nicht, allerdings scheint man aber entweder über bessere Informationen zu verfügen oder genauer zu planen, um "Kollateralschäden" zu minimieren. Die CIA versuchte, die Ergebnisse des Berichts abzustreiten und die Glaubwürdigkeit von Informationen und Informanten zu untergraben. Das Bureau fordert eine legale Bewertung des Drohnenankriegs und hegt die Vermutung, dass der Einsatz von Drohnen gegen die Genfer Konventionen verstoßen könnte, weil diese Waffen wegen der hohen Zahl der getöteten Zivilisten nicht ausreichend Kämpfer von Zivilisten unterscheiden könnten. Würde man aber die Präzision weiter erhöhen, kämen die Drohnenangriffe einem Mord bzw. einer Exekution noch näher.

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