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Aziz: Obama hinterlässt den Irak den Wölfen

06.08.2010

Saddam Husseins ehemaliger Außenminister will, dass die US-Truppen jetzt nicht das Land verlassen und die USA für den Fehler gerade stehen, den sie mit der Invasion begangen hätten

Erst vor wenigen Tagen hatte US-Präsident Obama versichert, dass er sein Versprechen einhalten werde, die US-Truppen aus dem Irak abzuziehen, um den Krieg zu einem verantwortlichen Ende zu führen. Ende des Monats würden wie vorgesehen die Kampftruppen abgezogen und das militärische Kommando ganz dem irakischen Militär übergeben werden. Bis Ende des nächsten Jahrs werden allerdings noch 50.000 Soldaten im Irak verbleiben, die dem irakischen Militär sekundieren sollen, was auch Antiterror-Kampfeinsätze einschließt.

Obama muss allerdings aufpassen, dass seine Erfolgsmeldung nicht bald dem von Bush vorzeitig verkündetem "Mission Completed" gleicht. Wirklich gelöst ist im Irak wie in Afghanistan noch wenig. Die Regierung ist keineswegs stabil, der Terrorismus keineswegs verschwunden, die Konflikte zwischen den Schiiten, Sunniten und Kurden nur aufgeschoben.

Der frühere Außenminister unter Saddam Hussein, Tariq Aziz, hat sich nun in einem Interview mit dem Guardian aus seiner Gefängniszelle in Bagdad zu Wort gemeldet und gefordert, dass die US-Truppen weiter im Irak bleiben müssten. Obama übergebe, wenn er die Truppen abzieht, das Land den Wölfen: "Täglich werden Dutzende, wenn nicht Hunderte von Menschen getötet. Wir sind alle die Opfer von Amerika und Großbritannien. Sie haben unser Land auf viele Weisen getötet. Wenn man einen Fehler macht, muss man den Fehler korrigieren, aber man kann nicht einfach den Irak dem Tod anheimgeben." Das Land sei jetzt in einem schlimmeren Zustand wie vor dem Krieg, sagte Tariq Aziz, der noch immer nicht auf Distanz zu Hussein gehen will, weil er großen Respekt für ihn empfinde. Gleichwohl schob er alle Schuld für Kriege und die Schreckensherrschaft dem Diktator zu, er sei nur Politiker gewesen und habe dies nicht zu verantworten.

Nach dem Einfall in Kuwait, gegen den er gewesen sei, und den auf den Krieg folgenden Sanktionen habe das Hussein-Regime den Irak stabil gehalten, die Bewohner seien trotz der schwierigen Bedingungen ausreichend versorgt gewesen. Als die Waffeninspektoren wieder in den Irak kamen, habe er vergeblich versucht, diese zu überzeugen, dass es keine Massenvernichtungswaffen-Programme mehr gibt. Aber Bush und Blair hätten unbedingt den Krieg gewollt und absichtlich gelogen. Beide seien pro-zionistisch und hätten den Irak zugunsten von Israel, nicht zugunsten von Großbritannien oder den USA zerstören wollen.

Aziz spielt dann auch die Iran-Karte aus, schließlich war er bereits in den 80er Jahren Außenminister, als die USA den Irak trotz des Einsatzes von Giftgas gegen den Iran mit Waffen und selbst mit der Lieferung von Bakterienkulturen zur Entwicklung biologischer Waffen unterstützte ( Das schmutzige Geschäft der Politik).

Jetzt sagt Aziz, Hussein habe sich nur deswegen vor dem Krieg bedeckt gehalten, was die Existenz von Massenvernichtungswaffen anbelangte, weil er Sorge vor dem Iran hatte, obgleich dies den Verdacht auch bei den Briten und Amerikanern schürte. Die Iraner hätten acht Jahre lang Krieg gegen den Irak geführt, sagte nun Aziz: "Daher hatten wir Iraker das Recht, sie zu bekämpfen. Saddam war ein stolzer Mann. Er musste die Würde des Irak verteidigigen. Er musste zeigen, dass er weder falsch liegt, noch schwach ist." Jetzt würde Iran ein Atomwaffenprogramm aufbauen: "Jeder weiß es und niemand macht etwas. Warum?"

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