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Bahrain: Maßnahmen gegen "schlechte Erinnerungen"

20.03.2011

Im Schatten der internationalen Aufmerksamkeit führt die bahrainische Regierung weiter vor, was sie vom Schutz einer Zivilbevölkerung hält, die gegen ihre Herrschaft opponiert

An den Freitagen zuvor war der Pearl-Roundabout-Platz, auch "Lulu" genannt, in der Hauptstadt Bahrains Manama der Schauplatz von Demonstrationen, die mehr Bürgerrechte, eine bessere Verfassung, freie Parlamentswahlen, eine konstitutionelle Monarchie und die Absetzung der korrupten Regierung forderten. Am vergangenen Freitag haben Bulldozer und andere schwere Baumaschinen den Platz von seinem Wahrzeichen geräumt und gesäubert. Vorausgegangen war dem die gewaltsame Entfernung von Demonstranten, die dort nach dem Vorbild des Tahrirplatzes in Kairo Zelte aufgestellt hatten, durch die bahrainische Polizei mit Hilfe der bahrainischen Armee und der Soldaten aus Saudi-Arabien und des Golf-Kooperationsrates (siehe Bahrain und die wahabitische Putzhilfe). 5 Tote waren Resultat dieser Aufräumaktion.

Laut Bahrain News Agency ist die Entfernung des Wahrzeichens eine rein kosmetische Aktion, ein "face-lift", um den Verkehrsfluss zu verbessern. Der Außenminister aus der Herrscherfamilie al Khalifa, die im Laufe der Proteste in den vergangenen Wochen immer mehr in Kritik geriet und schließlich um ihre Herrschaft fürchtete, Scheich Kalid bin Ahmed al-Khalifa äußerte in der Pressekonferenz plausiblere Gründe für den Abriss der weitaufragenden Perlenskulptur:

"Das wurde getan, um schlechte Erinnerungen zu tilgen (...). Wir wollten kein Denkmal für schlechte Erinnerungen."

Dem Aufsehen, das die militärischen Aktionen gegen Gaddafi erzeugen, hat das Herrscherhaus nun ziemliche Ruhe zu verdanken, um die schlechten Erinnerungen auch mit anderen Aktionen zu ersticken. Schon am Tag nach der Räumung des Platzes von Demonstranten zeigte sich, dass die al-Khalifas sehr weiträumig mit beinahe jeder Opposition fertig werden wollte (siehe Auslöschungskrieg gegen Opposition). Die Truppen aus Saudi-Arabien und befreundeten Golf-Staaten bleiben - "so lange wie sie gebraucht werden, um unser Land zu beschützen", so der Außenminister. Auf Distanz zu den Bahrainis, damit keine falschen Gefühle aufkommen:

"He said they were being kept away from direct contact with Bahrainis, serving in support roles at installations."

Die Repression gegen möglicherweise aufbegehrende Bahrainis und deren Leid geht unterdessen weiter, wie Blogger und das unabhängige Nachrichtenportal Bahrain Online berichten. In den Krankenhäusern sterben Opfer der Aktionen der Sicherheitskräfte, Oppositionelle beklagen weiterhin Verschwundene in größerer Zahl, so etwa die schiitische Partei Wefaq, die 95 Personen vermisst - "Not known if arrested, injured or dead."

Heute wurde der Menschenrechtler Nabeel Rajab, Chef des Bahrain Center for Human Rights verhaftet und, nachdem er geschlagen und verhört wurde, wieder freigelassen.

"They beat me and threatened to rape me and they kicked me when I refused to say I love the prime minister."

In einem kurzen, aus Angst vor der heranrückenden Polizei, angeblich nur 5 Minuten dauernden Protest vor dem UN-Büro in Manama forderten Oppositionelle eine UN-Intervention und Hilfe der USA gegen das Vorgehen der Regierung.

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