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Bank Run in Spanien beschäftigt G7

05.06.2012

Die spanische Bankenkrise wird auf einer Telefonkonferenz der sieben wichtigsten Industriestaaten behandelt

Die Finanzminister und Notenbank-Chefs der USA, Kanada, Japan, Großbritannien, Deutschland, Frankreich und Italien werden sich heute in einer Telefonkonferenz über die spanische Bankenkrise beraten. Eigentlich werden derlei dringliche Konferenzen diskret behandelt, doch der kanadische Finanzminister Jim Flaherty hat die Schaltung bestätigt. Es war abzusehen, dass es in diesen Tagen wieder hektisch werden würde.

Die Ankündigung hatte sofort Auswirkungen auf die Börsen. Die Talfahrt in Asien wurde gestoppt. Der Frankfurter Leitindex Dax erholte sich zunächst und stieg wieder über die Marke von 6000 Punkten, nachdem er am Montag auf ein neues Jahrestief von 5.942 Punkten gefallen war. Der spanische Ibex drehte in Erwartung auf Hilfen für das abstürzende spanische Bankensystem sogar zunächst wieder deutlich ins Plus, doch auch in Madrid ging dem Aufwärtstrend vor der Konferenz wieder die Puste aus. Profitiert hatten Bank-Aktien wie von der gerade verstaatlichten Bankia, deren Aktien teilweise in den letzten Wochen regelrecht abgestürzt sind, weil sie insgesamt 23,5 Milliarden Euro Staatshilfe braucht.

In Spanien wird bisher stets dementiert, dass ein Bank Run eingesetzt hat. An dieser Stelle wurde mehrfach berichtet, dass er immer größere Ausmaße annimmt. Anleger ziehen verstärkt ihr Geld aus Spanien ab. Der Vorgang hat nun längst viele einfache Sparer erreicht. Deshalb ist man wohl auch in den wichtigsten Industrieländern zu der Einschätzung gelangt, dass inzwischen in "Spanien alles möglich ist". Diese Ansicht teilen auch spanische Sparer, die ihre Ersparnisse nach Frankreich in Sicherheit bringen.

Hoffen auf Einlenken der Bundesregierung

Der kanadische Finanzminister teilte mit, dass im Mittelpunkt der Telefonkonferenz der spanische Bankensektor stehe, der nach dem Kollaps des Immobilienmarktes immer tiefer in die Krise stürzt. Die Nachrichtenagentur Reuters hat "G7-Kreise" zitiert, wonach sogar ein Sturm der Kunden auf die spanischen Geldhäuser befürchtet werde, der weite Kreise ziehen könnte. Die Financial Times Deutschland (FTD) euro-krise-lagarde-ruft-ezb-zu-leitzinssenkung-auf/70046145.html: schreibt, die USA, die derzeit den Vorsitz der G7-Gruppe innehat, habe die Konferenz angesetzt. Der japanische Finanzminister Jun Azumi bestätigt die Dringlichkeit: "Wir haben einen Punkt erreicht, wo wir uns über die Herausforderungen, mit denen wir konfrontiert sind, verständigen müssen."

Spanien hofft nun darauf, dass die Bundesregierung einlenkt und ihren Widerstand gegen eine direkte Finanzierung der Banken durch EU-Rettungsfonds aufgibt, nachdem sich die Position der EU-Kommission geändert hat und Frankreich sie offen fordert, um den stolzen Spaniern den Nothilfeantrag zu ersparen. Die spanische Regierung stellt deshalb die Lage sogar dramatischer dar, als sie real ist.

Spanien spricht offen über Probleme bei der Refinanzierung über die Finanzmärkte. Finanzminister Cristobal Montoro sagte am Dienstag, dass die Finanzmärkte derzeit de facto für Spanien nicht mehr zugänglich seien:

"Der Risikoaufschlag bedeutet, für Spanien ist die Tür zum Markt geschlossen."

Zwar liegt der Aufschlag weiter deutlich über 500 Basispunkten, den Griechenland, Irland und Portugal nur wenige Tage oder Wochen ausgehalten haben. Doch der Aufschlag steht im Verhältnis zu den Renditen für Bundesanleihen, die derzeit so niedrig wie nie sind. Die Absturzmarke von 7% ist für zehnjährige spanische Anleihen noch nicht erreicht.

Dass der Vorstoß von Montoro vor allem Druck auf Deutschland machen will, unterstrich er mit den Worten, dass Spanien zu groß für eine Rettung sei. Doch auch das ist falsch. Eine Nothilfe für Spanien könnte wohl noch gestemmt werden, denn die Rettungssummen wurden wegen des vorhersehbaren spanischen Absturzes ständig vergrößert.

Direkt gedroht hat Montoro nicht erneut. Als er schon am Wochenende behauptet hatte, Spanien sei zu groß für eine Rettung, rechnete er noch vor, dass Deutschland mit 130 Milliarden Euro und Frankreich mit 110 Milliarden Euro besonders viele spanische Staatsschulden halten:

"Wir wissen, wer unsere Auslandschulden hält, und sie wollen sie komplett zurückerhalten."

Damit spielt er unterschwellig auf einen Schuldenschnitt an, den es für private Anleger in Griechenland schon gab und für Portugal wohl ebenfalls bald notwendig sein wird.

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