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Billionen-Dollar-Loch in den US-Rentenkassen

18.09.2010

Laut einer Studie fehlen den Amerikaner 6,6 Billionen Dollar für die Altersversorgung, verantwortlich sind Verluste am Aktien- und Immobilienmarkt

Es war die große CNBC und andere Kommunikationsmedien, die Mitte dieser Woche mit der Horrornachricht aufwarteten, im Rentensystem der USA gebe es ein Loch von sage und schreibe 6,6 Billionen US-Dollar. Sie bezogen sich dabei auf eine Studie des Boston College's Center for Retirement Research. Obwohl die Nachricht über große Kanäle verbreitet wurde, fand sie keinerlei Echo in den hiesigen Medien, auch in den großen Wirtschaftsblättern herrschte Schweigen im Walde.

Dabei legten die Autoren der Studie, die von einer Gruppe aus Arbeits- und Pensionsrechtsanwälten ( Retirement USA) in Auftrag gegeben wurde, nach eigenem Bekunden noch "konservative Maßstäbe" zur Berechnung an, die auf den Einkommen der Arbeitnehmer im Alter zwischen 32 und 64 Jahren basiert. Für die 70 Millionen Haushalte, die zur Berechnung herangezogen wurden, ergab das jeweils ein Defizit von etwa 90.000 Dollar.

Würde man die Parameter ändern, dann könnte die Finanzierungslücke freilich noch deutlich größer ausfallen. Vorgerechnet wird das am Beispiel der Renditen für Kapitalerträge. Nehme man statt der angenommenen 3% nur 1,87%, wie sie z.B. inflationsgeschützte US-Staatsanleihen ( TIPS) bringen, dann wachse der Fehlbetrag laut Studienverfasser auf fast 8 Billionen Dollar an. Für die Organisation "Retirement USA" ist dies ein "Weckruf". Die Studie unterstreiche die Dringlichkeit, ein stabileres Pensionssystems in den USA zu schaffen.

In einem Umfeld, in dem eine deflationäre Entwicklung wie in Japan nicht ausgeschlossen werden kann, ist das weitere Absinken der Renditen für Staatsanleihen wahrscheinlich. Japan kämpft noch immer verzweifelt gegen die Deflation, legt immer neue Konjunkturpakete auf, welche die Staatsverschuldung weiter explodieren lassen. Am Mittwoch hat Japan zum ersten Mal seit sechs Jahren wieder am Devisenmarkt interveniert. Die Notenbank verkaufte 2000 Milliarden Yen (etwa 18 Milliarden Euro), um den starken Yen zu schwächen, weil das Wohl in stärkeren Exporten gesucht wird, weil die Binnennachfrage schwach ist.

Als ein wesentlicher Grund für die Finanzierungslücke in den US-Rentenkassen werden die Verluste am Aktien- und Häusermärkten angeführt. Deshalb trifft es auch die privaten Rentenfonds der Unternehmen. So stellte die Beratungsfirma Milliman in dieser Woche fest, dass der Finanzierungsstatus von Fonds der 100 größten Firmen im August 2010 um 108 Milliarden Dollar gesunken sei. Berichtet wird in den Medien bereits darüber, dass die Regierung Obama nach den Kongresswahlen im November den Kurs ändern und die Ausgaben zurückfahren werde. Ein Komitee im Weißen Haus denke schon darüber nach, die Sozialversicherungsleistungen zu kürzen und auch in den USA wird, wie in Deutschland, Frankreich oder Spanien, über die Erhöhung des Renteneintrittsalters debattiert werden.

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