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Nachrichten aus Politik und Wirtschaft

Bizarre Berufskrankheit

13.03.2013

Missbrauch und kein Ende: In den Niederlanden waren Tausende Mädchen Opfer katholischer Geistlicher

Während in der Ewigen Stadt, dem Sitz des katholischen Pontifex, die obersten Klausner einen neuen Papst herbeiräuchern, pfeift aus dem Flachland eine fiese Brise Richtung Rom. Gerade fristgemäß, wie man dem Anlass entsprechend meinen könnte. Diesmal sind die armen Mädchen an der Reihe.

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Vor denen haben die frommen Sünder nämlich auch nicht halt gemacht: Tausende, die Rede ist von möglicherweise Zehntausenden, stehen auf der Opferliste der katholischen Zuchtlosigkeit. So offenbart es der Untersuchungsbericht, der am Wochenende in Den Haag veröffentlich wurde.

In katholischen Einrichtungen des Nachbarlandes gärte es schon lange. Ob Priester, Klosterbruder, Ordensschwester, auch bedienstete Laien, jede Gruppe ist im frevelhaften Treiben mit vertreten.

Die Mädchen wurden sexuell missbraucht und körperlich misshandelt. Im Alter von sechs bis 14 Jahren begannen die Übergriffe. Damit dürften die meisten der Geschändeten für ihr weiteres Leben traumatisiert sein. 2011 kamen bereits die maßlosen Zahlen missbrauchter Jungen ans Licht; mindestens 10.000, möglicherweise auch 20.000 Kinder waren ihren geistlichen Oberherren ausgeliefert.

Finanzielle Wiedergutmachung reiche nicht aus, meint Wim Deetmann, der Vorsitzende der Untersuchungskommission. Bis zu 25.000 Euro sollen gezahlt werden, in schwerwiegenden Fällen bis zu 100.000 Euro. Deetmann, früherer niederländischer Minister für Bildung und Forschung, ist Mitglied der Cristen-Democratisch Appèl (CDA). Seit drei Jahren ist der heute 67-Jährige leitend mit dem Thema beschäftigt, zweimal als Vorsitzender einer Untersuchungskommission zur Aufklärung der Vorgänge speziell in römisch-katholischen Institutionen.

Man fragt sich, was in dem Zusammenhang eigentlich mit "schwerwiegend“ denn noch gemeint sein soll. Im Bericht Ende 2011 war bereits von "leichtem, schwerem und sehr schwerem“ Missbrauch die Rede.

Die Vorfälle gehen für beide Geschlechtergruppen auf die Jahre seit 1945 zurück. Noch weit über 100 der Täter sind am Leben. In den 1950er Jahren sollen Jungen in den Niederlanden sogar kastriert worden sein, um ihnen unterstellte homosexuelle Neigungen auszumerzen.

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