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Bombenlegerprozess geplatzt

25.06.2014

Im Luxemburger "Jahrhundertprozess" werden die Angeklagten ausgetauscht

Am 176.Prozesstag des Bommeleeër-Verfahrens gab die Luxemburger Staatsanwaltschaft heute bekannt, das sie gegen die ehemaligen Gendarmerie-Offiziere Pierre Reuland, Aloyse Harpes, Armand Schockweiler, Guy Stebens, Marcel Weydert und Charles Bourg Anklage beantragt hat. Die Personen, die im Polizeiapparat beachtliche Karrieren gemacht haben, werden im Zusammenhang mit den Attentaten beziehungsweise der fehlgeschlagenen Observierung von Ben Geiben der Mittäterschaft oder der Beihilfe verdächtigt, sowie der Falschaussage unter Eid, berichten Luxemburger Wort und Tageblatt. Ex-Polizeigeneraldirektor Pierre Reuland, der gerade zu Interpol gegangen war, wird Strafvereitelung im Amt vorgeworfen. Für die beiden bislang angeklagten Ex-Polizisten Scheer und Wilmes, die vehement ihre Unschuld beteuern, bedeutet dies aller Voraussicht nach, dass deren Prozess ausgesetzt wird.

Geiben, der die Elite-Einheit BMG aufgebaut hatte und den Polizeidienst vor den Attentaten unter mysteriösen Umständen verließ, gilt etwa der Verteidigung als ein Hauptverdächtiger. Die als Zeugen gehörten Ex-Kollegen hatten widersprüchlich, unschlüssig oder gar nicht darüber ausgesagt, warum Geiben nach seinem Ausscheiden observiert wurde. Operationschef Bourg etwa präsentierte erstaunliche Erinnerungslücken. Das Schweigen inzwischen hoher Beamter im Luxemburger Sicherheitsapparat befeuerte die These, dass die Bombenattentate von mächtigen Personen abgedeckt wurden.

In den eineinhalb Jahren veränderte der Prozess das Großherzogtum. Etliche Personen nahmen schweigend den Hut. Das Verfahren erfasste auch den Geheimdienst SREL, dessen Skandale letztes Jahr zu Neuwahlen geführt hatten. Für den temperamentvollen Strafverteidiger Maître Dr. Gaston Vogel, der Staat, Monarchie, Kirche, NATO und vor allem die US-amerikanische Regierung hasst und für den pointierten Gebrauch von Fäkalsprache berüchtigt ist, lieferte der Prozess die ideale Bühne, um mit dem Luxemburger Establishment abzurechnen. Nicht nur Polizeichefs, Geheimdienstchefs und Ex-Staatschef Juncker, sogar die Prinzen und deren Kindermädchen mussten in den Zeugenstand.

Die Mühlen der Luxemburger Justiz mahlten langsam - aber sie mahlten, und mahlen immer noch. Im Tal an der Alzette zeigte das Gericht keine Angst vor großen Hunden. Der Justiz in Deutschland, von wo aus die US-Geheimdienste mittels Drohnen Menschen exekutieren und die europäische Bevölkerung abhören, würde eine Richterin Conter gut zu Gesicht stehen.

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