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Nachrichten aus Politik und Wirtschaft

Breivik verlangt militärischen Orden für seinen Kampf gegen die "islamische Kolonisierung"

07.02.2012

Eine Anhörung vor Gericht bereitete dem antimuslimischen Massenmörder die Bühne und die mediale Aufmerkamkeit, die er mit seinen Taten anstrebte

Anders Breivik hatte schon vorgeführt, was er von großen Gesten hält. Um bekannt zu werden, hat er letzten Sommer ein blutiges Fanal mit einem Sprengstoffanschlag und dem Massenmord von zumeist Jugendlichen gesetzt. Breivik wollte damit sich an die Spitze einer antimuslimischen und kulturnationalistischen Bewegung setzen, die wieder in den Kreuzzug eintritt und neben den Muslimen die Linken, Liberalen und Toleranten vertreibt oder nach seinem Vorbild exekutiert.

Bislang hat man in Norwegen versucht, dem Mann möglichst keine Bühne zu bieten. Mit dem ersten Erscheinen vor dem Gericht lässt sich das nicht mehr durchhalten. Breivik lächelte, als er den Gerichtssaal betrat und hob für seine Genossen im antimuslimischen Kampf zum Gruß, aber wahrscheinlich auch triumphierend und provozierend seine Hände in den Handschellen hoch. Schließlich hat er nun erreicht, was er wollte: die große Bühne und die Medienaufmerksamkeit, um seine blutige Botschaft zu legitimieren und zu verbreiten. Nach seinem Verteidiger Geir Lippestad war die Geste als Zeichen für die rechten Extremisten gedacht. Aber er genoss auch die Gier der Reporter und Journalisten, die er benötigt, um den Profit aus seiner Tat zu ziehen und Propaganda zu betreiben. Wenn der Prozess Mitte April beginnt, wird Breivik noch mehr Gelegenheit erhalten, sich als Heilsbringer zu inszenieren.

Er versicherte, die ihm vorgeworfenen Taten begangen zu haben, aber nicht schuldig zu sein, und erhielt von der Richterin Elisabeth Gjelsten die Erlaubnis, sich kurz zu erklären. Darauf hatte sich der fanatische Kämpfer, der sich als Retter der Kultur wähnt, mit einen Text, einem Manisfest, vorbereitet: "Ich bin ein militanter Nationalist, ein Kommandeur der Tempelritter in Norwegen und in Europa", sagte er. Er sei Teil einer norwegischen Widerstandsbewegung, die nicht still sitzen und zusehen kann, "dass wir eine Minderheit im eigenen Land werden". Er habe "im Namen meines Volkes, meiner Kultur, meiner Religion, meiner Stadt und meines Landes" in Notwehr gehandelt. Die Angriffe auf die Regierung und die sozialdemokratische Arbeiterpartei seien präventiv gewesen. Die "Verräter" würden beabsichtigen, die Kultur zu zerstören. Er verlangte, sofort freigelassen zu werden, und mit einem militärischen Orden für den Kampf gegen die "islamische Kolonisierung" ausgezeichnet zu werden.

Breivik hatte einige Facebook-Seiten betrieben, die aber teils seit Jahren geschlossen sind. Zugriff auf Breiviks Konten hat norwegische Polizei aber noch nicht, da Facebook dies bislang verweigert und Breivik der Polizei keine schriftliche Genehmigung erteilt hat. Die erhofft sich wichtige Informationen, da Breivik angeblich emsig tätig war. Möglicherweise könnten sich daraus Rückschlüsse ergeben, mit wem oder mit welcher Szene er in Kontakt stand.

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