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Call Center in Gefängnisse outsourcen

11.08.2012

Wie in den USA will auch die britische Regierung Call Center mit Strafgefangenen betreiben, weil das für Unternehmen eine kostengünstige und "effektive Alternative" zum Outsourcen ins Ausland sei

In den USA werden Strafgefangene schon länger in Call Center beschäftigt. Weil die Gefangenen, die sich mit der Arbeit für Jobs nach dem Ende der Gefängnisstrafe ausbilden wollen oder sollen, wenig verdienen, werden damit hohe Gewinne generiert. So preist Unicor denn auch vor allem an, dass die Arbeitskosten gering sind und Call-Center-Dienste in amerikanischen Bundesgefängnissen auch etwa wegen der Sprachkenntnisse effektiver seien, als wenn sie ins Ausland verlagert werden: "Imagine … All the benefits of domestic outsourcing at offshore prices."

Wie der Guardian nun berichtet, will auch die britische Regierung, die zur Schuldenreduzierung und aus neoliberaler Ideologie, voll auf Privatisierung und schlanken Staat setzt, ebenfalls in Gefängnissen Call Center betreiben. Damit sollen sich die Gefangenen "rehabilitieren", die gleichzeitig in Kontakt mit Kunden kommen und vertrauliche Daten wie Namen, Adressen, Kreditkarteninformationen etc. bearbeiten. Allerdings ist die Firma UrbanData, mit der das britische Justizministerium das Programm starten wollte, gerade Pleite gegangen. Man will aber an den Plänen der versprochenen "fantastischen Rehabilitationsrevolution" festhalten und sucht im Rahmen von ONE3ONE Solutions, das für Gefängnisarbeit in 131 Anstalten zuständig ist, nach Partnern und Kunden.

Der britische Regierungschef Cameron preist die Gefängnisarbeit an. Gefängnisse seien "Orte der Strafe mit einem Zweck". Die Gefangenen sollen nicht in ihren Zellen sitzen, sondern "hart arbeiten und sich selbst reformieren". Gefängnisarbeit sei nicht nur produktiv für die Rehabilitation der Strafgefangenen, sondern leiste auch einen Beitrag für die britische Wirtschaft und eine Wiedergutmachung für die Gesellschaft. Man sei offen für die Wirtschaft, so verspricht ONE3ONE, aber ansonsten werde für 24 Stunden am Tag Sicherheit garantiert, die damit keine extra Kosten verursacht.

UrbanData hatte in einem Flugblatt, das Ende letzten Jahres an einige Organisationen versendet wurde, natürlich wieder mit den geringen Kosten für "ausgebildete Kräfte mit regionalen britischen Dialekten" geworben, die eine "effektive Alternative" zum Outsourcen ins Ausland seien. Es handele sich um eine hoch angesetzte Initiative des Justizministeriums, die "flexible Ressourcen" für alle Zwecke bietet. In offenen Gefängnissen in Wales erhalten die Strafgefangenen, die bereits in privaten Call Center außerhalb des Gefängnisses arbeiten, laut Guardian gerade einmal einen Tageslohn von 3 Pfund (3,8 Euro). Ähnlich dürfte dies dann bei dem geplanten Programm sein, das den Niedrigstlohnbereich vermutlich beibehält. Das Justizministerium beteuert allerdings, Häftlinge, die arbeiten dürfen, würden mindestens 3 Pfund am Tag erhalten. Und es heißt, alle Verträge mit Unternehmen müssten strenge Regeln einhalten, beispielsweise dürften Häftlinge keine vorhandenen Arbeitsplätze ersetzen.

In Bayern beispielsweise erhalten die Strafgefangenen für die Pflichtarbeit, sofern es diese ausreichend gibt, nach der Bayerischen Strafvollzugsvergütungsordnung zwischen 8,28 EUR und 13,80 EUR am Tag. Dazu kommen die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung, für die Unterbringung, beispielsweise für Verpflegung, muss nichts gezahlt werden. Die Arbeitsbetriebe der bayerischen Justizvollzugsanstalten bieten einen "Freiraum für Unternehmer" mit "qualifiziertem Personal", das "kostengünstig" arbeitet - und auch "eine Alternative zu einer Produktionsverlagerung ins Ausland" darstellen soll. Call Center sind in deutschen Gefängnissen noch nicht im Angebot.

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