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China: Angriff der Hedgefonds

27.01.2016

An den Finanzmärkten wird massiv auf eine weitere Abwertung der chinesischen Währung gesetzt

Große Hedgefonds aus den USA und aus Europa wetten massiv auf eine Abwertung der chinesischen Währung Yuan gegenüber dem US-Dollar. Das geht aus einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters hervor. Offensichtlich hat China allein im Januar bereits 200 Milliarden US-Dollar eingesetzt, um den Yuan-Kurs zu stützen und eine Abwertung zu verhindern.

Der Yuan hatte im August einen Sprung von 6,2 auf 6,4 Yuan/US-Dollar gemacht und danach weiter graduell abgewertet. Etwas heftigere Kursbewegungen hatte es zuletzt Anfang Dezember und Anfang Januar gegeben. Seitdem wird der Kurs durch die Interventionen weitgehend stabil gehalten. Derzeit kostet der US-Dollar knapp 6,6 Yuan.

Das chinesische "Volksgeld" (Rénmínbì) ist unter anderem durch die Aufwertung des US-Dollars gegenüber den meisten anderen großen Währungen unter Druck geraten. Da der Yuan bisher ziemlich fest an die US-Währung gebunden ist, wurde er mit nach oben gezogen, was die Position chinesischer Exporteure zum Beispiel in Europa verschlechtert hat.

Der chinesischen Führung wurde daher im vergangenen Jahr vorgeworfen, sie führe einen Währungskrieg, als sie im August die Abwertung zuließ. Tatsächlich sieht es eher so aus, als würde sie sich gegen eine Flut stemmen, wie es ein Beobachter in dem erwähnten Reuters-Bericht formuliert (siehe auch China: Notbremse gezogen).

Inzwischen scheinen so ziemlich alle Hedgefonds auf den Zug aufgesprungen zu sein. 20 bis 50 Prozent Abwertung werden erwartet. Unterschiede in der Einschätzung gibt es nur noch in der Frage, ob es eine langsame, graduelle Abwertung oder kurze tiefen Schnitte geben wird.

Auf den ersten Blick scheint Chinas Kriegskasse gut gefüllt: 3,33 Billionen US-Dollar (und andere, in US-Dollar umgerechnete Devisen) waren im Dezember noch in den Währungsreserven. Anfang 2015 waren es allerdings noch etwas über 3,8 Billionen US-Dollar gewesen. Und sollten tatsächlich im Januar bereits 200 Milliarden US-Dollar für Stützkäufe augegeben worden sein, dann wäre es ein Zeichen dafür, dass es mit dem derzeitigen Aufwand nicht lange weiter gehen kann.

Ein Kommentar der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua weist unter dessen darauf hin, dass die chinesischen Wirtschaftsdaten nach wie vor robust seien. In einem schwierigen globalen Umfeld – Eurokrise, große Schwierigkeiten der Rohstoffproduzenten, Krise in Brasilien etc. - sei die chinesische Wirtschaft 2015 noch immer um 6,9 Prozent gewachsen. Auf Chinas Konto seien damit rund ein Viertel des globalen Wirtschaftswachstums in 2015 gegangen, sicherlich ein Argument, das zumindest einen Teil der Aufwertung gegenüber Euro, Pfund und anderen Währungen rechtfertigen würde.

Xinhua weist außerdem darauf hin, dass chinesische Touristen jährlich inzwischen umgerechnet rund 120 Milliarden Euro im Ausland ausgeben und chinesische Firmen 2015 umgerechnet 74 Milliarden Euro jenseits der Grenzen investiert haben. Beides könne nicht gerade als Schwäche der chinesischen Ökonomie gelten.

Diese offensichtlich wichtige Rolle, die China allen Geredes zum Trotz noch immer für die Weltwirtschaft spielt, wirft im Umkehrschluss allerdings die Frage auf, was passiert, wenn der durch die Spekulation angetriebene Kapitalabfluss und die Verteidigung des Yuans die Volksrepublik tatsächlich demnächst in Schwierigkeiten bringen sollten.

Kaum zu glauben, dass das nicht auch hierzulande zu erheblichen ökonomischen Turbulenzen führen würde. Wie war das gleich noch mal mit der Regulierung der Finanzmärkte, die uns 2008ff versprochen wurde?

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