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China: Shanghaier Börse wird für Ausländer geöffnet

18.11.2014

Kooperation zwischen den Börsen Hongkongs und Shanghais könnte sich an den internationalen Finanzmärkten als Staubsauger erweisen und wird auf jeden Fall die chinesische Währung weiter stärken

Die Börsen Hongkongs und Shanghais haben gestern eine Kooperation begonnen, die Akteuren an den beiden chinesischen Finanzplätzen den Handel mit Aktien beim jeweiligen Partner erlaubt. Das Besondere daran ist, dass die Volksrepublik die Tür für die internationalen Finanzmärkte um ein nicht unwesentliches Stückchen weiter öffnet. Allerdings können wir sicher sein, dass genug Pförtner platziert sind und die Klinke nicht aus der Hand gelassen wird.

Hongkong verfügt über eine eigene Währung und ist in Steuer-, Finanz- und Wirtschaftsfragen weitestgehend autonom. Seine Wirtschaft ist ganz auf den Außenhandel konzentriert, weshalb es wenig Barrieren für den grenzüberschreitenden Waren- und Kapitalaustausch mit den alten und neuen ökonomischen Zentren in aller Welt gibt. Entsprechend ist die Hongkonger Börse gemessen an dem Marktwert der dort gehandelten Unternehmen nach Tokio die zweitgrößte Asiens. Im Durchschnitt wurden dort 2013 täglich 62,6 Milliarden Hongkong-Dollar (6,4 Milliarden Euro) umgesetzt.

Ende 2013 waren in der City auf Hong Kong Island laut Jahresbericht der dortigen Börse 1.643 Aktiengesellschaften zugelassen, wovon eine Mehrheit von 57 Prozent ihren Sitz in der Volksrepublik hatte. Der überwiegende Rest sind Hongkonger Gesellschaften, zwischen 100 und 200 haben ihren Sitz in anderen asiatischen Ländern. Gemessen am jährlichen Aktienumsatz hatten die volksrepublikanischen AGs sogar schon einen Anteil von 72 Prozent am Hongkonger Markt.

Hongkong spielte, wenn es um Kapitalbeschaffung ging, also schon bisher eine wichtige Rolle für die Wirtschaft der Volksrepublik. 2013 boten 110 Unternehmen - allerdings nicht alle aus der Volksrepublik - erstmalig ihre Anteile an der Hongkonger Börse an. Dabei wurden mit diesen IPOs (Initial Public Offering) 166,5 Milliarden Hongkong-Dollar (17,18 Milliarden Euro) eingesammelt. Das war gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung um 85 Prozent.

In der Volksrepublik selbst konnten bisher nur eine kleine Gruppe handverlesener ausländischer Fonds und Investoren Aktien erwerben. Seit 2003 sind auf diesem Wege umgerechnet rund 90 Milliarden Euro ins Land geflossen. Im Vergleich zu dem, was jährlich an Direktinvestitionen aus dem Ausland nach China kommt, ist das ziemlich wenig. In den vergangenen Jahren lagen diese netto jeweils bei um die 100 Milliarden Euro und mitunter auch deutlich drüber.

Mit der neuen Börsen-Kooperation könnte künftig das ausländische Anlagekapital in der Volksrepublik eine größere Rolle spielen, denn Hongkong wirkt für das Land der Mitte wie eine Art Eingangstor. In den letzten Jahren flossen umgerechnet jährlich um die 70 Milliarden Euro in die Stadt am Perlfluss-Delta. Ein Teil davon könnte nun seinen Weg in den Norden finden. Wobei das vermutlich nicht zum Nachteil der Hongkonger Ökonomie sein wird, denn die Öffnung wird sicherlich zusätzliches Kapital aus dem Ausland anziehen.

Das Interesse der an der Hongkonger Börse zugelassenen Aktienhändler an den neuen Möglichkeiten in Shanghai scheint jedenfalls groß zu sein. Am ersten Handelstag hatten sie das ihnen zustehende Tageslimit von 13 Milliarden Yuan (rund 1,7 Milliarden Euro) schon am frühen Nachmittag ausgeschöpft. Shanghaier Händler agierten deutlich zurückhaltender. Sie hatten ihr Kontingent von umgerechnet knapp 1,4 Milliarden Euro zur gleichen Zeit erst zu 14 Prozent ausgereizt.

Doch das scheint auch ganz im Sinne der Regierung in Beijing (Peking) zu sein. Schon die Differenz in den Limits deutet darauf hin, dass es vor allem darum geht, zusätzliches Kapital anzulocken und dem chinesischen Markt zur Verfügung zu stellen. Ein weiteres Indiz dafür ist, dass Ausländer auf Einkünfte aus den in Shanghai erworbenen Aktien keine Kapitalertragssteuern werden zahlen müssen.

Zwei spannende Fragen stellen sich mit dieser partiellen Öffnung der chinesischen Finanzmärkte. Erstens: Wie wird die chinesische Regierung mit dem Dilemma umgehen, dass durch diese Öffnung einerseits ihre Währung gestärkt wird, andererseits aber auch der Druck zur Aufwertung zunimmt? Ersteres kommt dem Interesse Beijings entgegen, bei Außenhandelsgeschäften vermehrt in Yuan bezahlen zu können. Letzteres erschwert hingegen die Bedingungen für chinesische Exporteure.

Zweitens: Welche Auswirkungen wird die Öffnung auf die internationalen Finanzmärkte haben? Richtig virulent wird diese zweite Frage vermutlich erst, wenn das Tor noch etwas weiter geöffnet und aus dem jetzt ansehnlichen, aber noch vergleichsweise gemächlichen Fluss von maximal rund 450 Milliarden Euro pro Jahr vielleicht irgendwann ein reißender Strom werden sollte, der über Hongkong in die nach Kaufkraftparität schon jetzt größte Volkswirtschaft des Planeten fließt.

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