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China: Straßenschlacht in Hongkong

10.02.2016

Gentrifizierung, kulturelle Widersprüche, nicht eingelöste Demokratisierungsversprechen und autoritäre Eingriffe der chinesischen Regierung haben viel Wut aufstauen lassen

Während der Feiern zum chinesischen Neujahrsfest ist es am Montag in der zu China gehörenden autonomen Stadt Hongkong zu Straßenschlachten zwischen der Polizei und Protestierenden gekommen. Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur AP entzündete sich der Konflikt an dem Versuch der Polizei, im Stadtteil Mongkok Straßenhändler zu vertreiben, die keine Lizenz besitzen. Die Polizei setzte Schlagstöcke und Reizgas ein, ein Teil der Demonstranten antwortete mit Plastikflaschen und auch mit Steinen. Welche Seite mit der Gewalt begann, geht aus den Medienberichten nicht hervor.

Die Aggressivität der Reaktionen auf das Vorgehen der Polizei gegen die Straßenverkäufer speist sich offensichtlich aus einer großen Unzufriedenheit von Teilen der Bevölkerung über ökonomische Veränderungen und autoritäre Einmischung der Regierung in Beijing (Peking) in die Lokalpolitik der Stadt, die über eine eigene Währung, Wirtschaftspolitik und eine quasi-Verfassung verfügt.

Gleichzeitig gibt es in weiten Teilen der Bevölkerung ein großes Unbehagen über die schleichende Verdrängung des in Hongkong und den umliegenden chinesischen Provinzen gesprochenen Kantonesisch durch das aus dem Norden kommende Putonghua, das als allgemein verbindliche Hochsprache des Landes gilt, aber nur von rund 840 Millionen Menschen weltweit (auch zum Teil in Taiwan, Singapur, Malaysia und einigen weiteren Ländern) die Muttersprache ist.

Von Mongkok wurde in den 1990ern gesagt, dass es einer der am dichtesten besiedelten Orte des Planeten sei. Enge Straßenschluchten werden von 20 und mehr Geschosse hohen Blöcken eingerahmt, von denen mancher als Gewerbegebäude gebaut wurde und bis in die 1980er Jahre hinein Hongkongs einst florierende Textilindustrie beherbergte.

Diese ist dann mit dem Aufstieg der Volksrepublik über die Grenze abgewandert. Hongkonger Privatunternehmen nutzten nach der Öffnung Chinas die Gelegenheit, die seinerzeit hinter der Grenze noch billigeren Arbeitskräfte auszubeuten. Doch seit Beginn des Jahrtausend beginnen sich die Kapitalströme umzukehren. Private und staatliche chinesische Unternehmer strömen in die Metropole, um neue Shopping Malls und Wolkenkratzer in der Metropole am Perlflussdelta zu errichten.

Betroffen ist auch der einstige Arbeiterstadtteil Mongkok, in dem bereits mancher Straßenzug bis zur Unkenntlichkeit umgekrempelt wurde. Wie in Berlin oder Istanbul, London oder New York wurden und werden dabei billige Quartiere für den Kommerz vernichtet oder in teuren Wohnraum für den Mittelstand umgewandelt. Dazu passt, dass Straßenhändler, die zum traditionellen Bild des Arbeiterviertels gehören, verdrängt werden sollen. In einer Stadt, die nur sehr rudimentäre soziale Sicherungssysteme kennt, ist das für die Betroffenen nicht nur ein kulturelles, sondern vor allem auch ein existenzielles Problem.

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