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China hat in einem Jahr 60.000 "pornografische Websites" geschlossen

25.11.2010

Das Internet boomt in China, die Kontrolleure haben immer mehr zu tun

Aus China kommen, wie sollte es sonst sein, Rekordmeldungen, was die Schließung von Websites betrifft. Seit Dezember 2009 seien 60.000 pornographische Websites durch das "Nationale Büro gegen Pornografische und illegale Veröffentlichungen" – welche Behörden es hier gibt - vom Netz entfernt worden. Was unter Pornografie verstanden wird, wird aber nicht mitgeteilt.

Und das muss ganz schön aufwändig gewesen sein, teilt die Behörde mit. Schließlich habe "1,785 Millionen Websites" in dieser Zeit überprüft. Tipps seien auch von den Internetnutzern gekommen, nämlich 160.000. Und den wohl besonders eifrigen 516 Meldern wurden 526.000 Yuan ausbezahlt, das sind ungefähr 60.000 Euro. Offenbar wurden verschiedene Vorgehensweisen eingesetzt, beispielsweise lud man 20 Mütter von Teenagern ein, die helfen sollten, Porno-Sites zu finden. Ob das erfolgreich war oder aus welchem Grund dies gemacht wurde, lässt sich aus dem Artikel nicht entnehmen. Weiter gegeben wird aber von den staatseigenen Medien die Erfolgsmeldung der Behörden, nach dem "die Verbreitung von Pornografie wirksam eingeschränkt und das Internet weiter gesäubert" wurde.

Anfang des Monats hatte die chinesische Regierung noch mehr Anstrengungen eingefordert, um das Internet zu einer "kulturellen Umgebung für das gesunde Wachstum der Jugendlichen" zu machen. Nebenbei, so Liu Yunshan, Mitglied im Politbüro des Zentralen Komitees der Partei, soll damit auch der "sozialistische kulturelle und ethische Fortschritt" verstärkt werden. Verstärkt würde Online-Pornografie auch mobil verbreitet. Nach einer Umfrage würden 54 Prozent der Studenten schon gelegentlich mal pornografische Websites besuchen.

Und es wird immer mehr Reinigungsarbeit geben, die auch den fleißigen Kontrolleuren immer schwerer fallen dürfte. In China gibt es bereits 420 Millionen Internetnutzer, immerhin schon mehr als 31 Prozent der Gesamtbevölkerung, aber mit noch viel Platz nach oben. 60 Prozent sind jünger als 30 Jahre. Mit 277 Millionen können auch schon sehr viele Menschen mit Smart Phones auf das Internet zugreifen, nach Angaben der chinesischen Regierung dominiert die mobile Nutzung bereits, deren Anteil bei fast 60 Prozent liegt. Das legt nahe, dass die Internetnutzung gerade in den ärmeren Ländern und Schichten auf die Handys auswandert.

Die Entwicklung geht rasch voran. In den letzen 10 Jahren stieg die Zahl der Internetnutzer in China um 1.766 Prozent, in Deutschland zum Vergleich nur um 170 Prozent, dafür sind hier schon 80 Prozent online. Ähnliche Wachstumsraten wie in China, die zeigen, wie schnell hier aufgeholt wird, gibt es etwa in Indien, Brasilien oder Russland. Auch im Iran stieg die Zahl der Internetnutzer gar um 13.180 Prozent auf jetzt mehr als 40 Prozent der Bevölkerung, in Nigeria steig sie gar um fast 22.000 Prozent, wobei "erst" 29 Prozent einen Internetzugang haben.

Chinesische Internetnutzer haben zahlenmäßig schon lange die USA als einstige Internetgroßmacht überholt. Der Anteil der chinesischen Internetnutzer an den weltweiten Gesamtnutzern liegt bereits bei mehr als 21 Prozent, fast doppelt so viel wie US-Internetnutzer. Deutschland befindet sich an sechster Stelle mit einem Anteil von gerade einmal 3,3 Prozent. Auch die Anteile aller westlichen Staaten werden weiter sinken, wenn die Entwicklungs- und Schwellenländer weiter aufholen. In Indien gibt es beispielsweise erst 7 Prozent Internetnutzer.

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