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China überholt Japan

17.08.2010

Die Volksrepublik hat erstmals Japan ökonomisch überrundet und ist nun weltweit die zweitgrößte Wirtschaftsmacht

Vor einigen Wochen hatten chinesische Ökonomen es schon mal durchblicken lassen, jetzt ist es offiziell: Der asiatische Gigant hat Japan überholt und ist nun nach den USA die Nummer Zwei. Die New York Times berichtet, dass im zweiten Quartal des Jahres 2010 nach den jüngsten Zahlen der japanischen Statistiker, die Volksrepublik Nippon erstmals ökonomisch überholt habe. Demnach stand von April bis Juni einer chinesischen Wirtschaftsleistung von 1,33 Billionen US-Dollar (1,04 Billionen Euro) ein japanisches Bruttonationalprodukt von 1,28 Billionen US-Dollar (999 Milliarden Euro) gegenüber. Da Chinas Wirtschaft ganz im Gegensatz zu der Japans weiter kräftig wächst, ist davon auszugehen, dass das Land auch bezogen aufs ganze Jahr vor Japan liegen wird.

Nunmehr ist auch in offiziellen Wechselkursen klar, was sich gerechnet in Kaufkrafparitäten schon lange abzeichnete. China ist damit nun endgültig in einer einzigartigen Position. Auf der einen Seite ist es inzwischen eine ökonomische Supermacht – bisher ohne das entsprechende Militär, was welthistorisch einmalig sein dürfte –, auf der anderen Seite ist es noch immer ein Entwicklungsland. Letzteres wird deutlich, wenn die Wirtschaftsleitung auf die Bevölkerung umgerechnet wird. Gerade 4000 US-Dollar pro Jahr und Kopf beträgt das Bruttonationaleinkommen, deutlich mehr als das vieler ärmerer Länder, aber wesentlich weniger als das der Türkei, Brasiliens oder einiger reicherer afrikanischer Länder wie Gabun oder Botswana. Von den Industriestaaten ganz zu schweigen.

Die außenpolitischen Implikationen dieser Lage sind enorm widersprüchlich: Für viele Länder ist die relative Unterentwicklung Chinas und das große Tempo seines Wachstums eine enorme Chance, denn die Volksrepublik ist nicht nur Exportweltmeister, sondern auch ein großer Importeur. Mit vielen Entwicklungsländern hat China sogar eine negative Handelsbilanz, das heißt, es führt von dort mehr Waren ein, als es absetzt, und trägt damit zur Akkumulation von Wohlstand in diesen Ländern bei. Seine große Nachfrage treibt die Rohstoffpreise nach oben - eine Umkehr der ständigen Verschlechterung der "terms of trade", die seit den 1970ern zu beobachten war -, und bricht zudem für die Rohstoffexporteure die jahrhundertealte einseitige Abhängigkeit von den Abnehmern in Europa und Nordamerika auf.

Inzwischen ist China für viele seiner Nachbarn sogar zum wichtigsten Handelspartner geworden, was zu einer völlig neuen Situation führt. Noch vor zehn Jahren waren die Länder Südostasiens sowie die Tigerstaaten Ostasiens ökonomisch ganz auf die USA und Europa fixiert und tauschten auch untereinander vergleichsweise wenig Waren aus. Nun wächst die Region immer mehr zusammen.

Dabei entwickelt sich China allerdings – wegen seiner Größe unvermeidlich – zum überschweren Gravitationszentrum, was für die Beziehungen nicht unproblematisch ist. Man kann in diesem Zusammenhang durchaus wie der langjährige italienische China-Korrespondent Francesco Sisci in der Asia Times Online der Ansicht sein, dass die Länder der Region inclusive Chinas froh über die militärische US-Präsens sein müssen, weil diese verhindere, dass wechselseitiges Misstrauen zu einem Wettrüsten führt. So oder so verändern sich die Beziehungen, Kräfteverhältnisse und Abhängigkeiten in einem derartigen Tempo, dass es hohe diplomatische Kunst erfordern wird, diese Entwicklung in friedlichen Bahnen zu halten. Und ob die militärische Politik der US-Regierung dem immer zuträglich sein werden, ist eine durchaus offene Frage.

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