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China will gegen die Auswüchse bei der "Therapie" der Internetsucht vorgehen

06.11.2009

Das Gesundheitsministerium spricht nun von einer "unangemessenen Internetnutzung" und will körperliche Gewalt und militärischen Drill zur Behandlung verbieten.

2008 wurde in China teilweise die "Internetsucht" als psychische Störung eingestuft, die behandelt werden muss. International wird das aber noch nicht so gehandhabt, auch wenn es Forderungen gibt, die Internetsucht als zwanghaft-impulsive Funktionsstörung in das Handbuch psychischer Erkrankungen (DSM-IV-TR) aufzunehmen. In China jedenfalls schossen "Therapieangebote" vor allem für Jugendliche aus dem Boden, sie waren bei den offenbar hilflosen Eltern nachgefragt, die ihre Kinder von der vermeintlichen Sucht befreien und ihnen damit das Verfolgen einer Karriere ermöglichen wollten. Oft handelte es sich um ziemlich fragwürdige Methoden, mit denen mit militärischem Drill, Unterwerfung, Sport und teils auch mit roher Gewalt oder Elektroschocks als Strafe den Jugendlichen der Hang zum Internet und vor allem zum Spielen ausgetrieben werden sollte. Dabei werden die Jugendlichen oft wochenlang in Camps und "Kliniken" eingesperrt.

Nachdem allerdings im Sommer bekannt wurde, dass ein 15-jähriger Junge am selben Abend, an dem ihn seine Eltern in ein Lager zur Entziehungskur gebracht hatten, an den Schlägen der "Therapeuten" gestorben war, scheint man nun im Gesundheitsministerium gegen die Auswüchse vorgehen zu wollen. Tao Ran, der die Definition der Internetsucht als psychische Störung eingeführt hat und der Direktor der ersten, zu einem militärischen Krankenhaus in Peking gehörende Klinik ist, die eine Behandlung anbot, machte deutlich, dass Internetsucht nicht durch "militärisches Training oder körperliche Strafen" behandelt werden kann.

Das Gesundheitsministerium hat den ernster klingenden Begriff der Internetsucht erst einmal offiziell durch den Begriff "unangemessene Internetnutzung" ersetzt, deren genaue Bestimmung jetzt noch nicht erfolgen könne. In neuen Richtlinien, die das Ministerium vorgestellt hat, wird gesagt, dass man bei einer Behandlung weder Gewalt anwenden noch die Freiheit einschränken oder gar destruktive Operationen vornehmen dürfe. Wer mit dem Internet unangemessen umgeht und bestimmte psychiatrische Symptome zeigt, solle sich an medizinische Institutionen für Hilfe wenden.

Offenbar will man der Verteufelung der Internet- und Spielesucht, die von den Behörden in den letzten Jahren beschworden wurden, wegen der rabiaten Methoden, aber auch, um das Internet nicht ganz schlimm darzustellen, nun ein Ende setzen. Den problematischen Internetnutzern soll nicht das Internet abgewöhnt werden, sie sollen nur einen "gesünderen" Umgang damit pflegen können. Auch Tao erklärt in den staatseigenen Medien die dann wohl offizielle Ansicht, dass die Behandlung der Internetsucht durch Gesetze und Vorschriften geregelt werden müsse, um den "chaotischen Markt" zu bändigen.

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