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China will sich sprachlich vor allem vom englischsprachigen Ausland abschotten

22.12.2010

Man will angeblich die "Reinheit" der chinesischen Sprache retten und damit die Kultur "harmonisch und gesund" erhalten

Die chinesische Regierung will für nationale Identität sorgen. Und weil Sprache als eine der wichtigsten Grundlagen für die nationale und kulturelle Identität bildet, hat nun die General Administration of Press and Publication (GAPP) angeordnet, dass vor allem die willkürliche Verwendung englischer Worte und Akronyme in Publikationen aller Art zu unterbleiben habe.

Die Klagen kennt man von den Konservativen in allen Ländern, die fürchten, dass invasive Sprachen und die Vermischung der Sprachen zur kulturellen Degradierung oder gar zum Verschwinden der eigenen Sprache führen können. Besonders gefürchtet ist hier natürlich Englisch, die Weltsprache oder lingua franca, die eigentlich jeder beherrschen müsste, um sich weltweit bewegen zu können. Im Übrigen fürchten auch die Briten die Ausbreitung des Englischen, weil dies die Sprache degenerieren lasse, weil die vielen Nicht-Muttersprachler nicht nur neue Worte und Ausdrücke einführen oder bestehende verändern, sondern auch dazu neigen, die Komplexität insgesamt möglichst zu schleifen. Doch Sprachen haben sich immer in der Geschichte verändert, die Illusion, man könne ein Sprache der Kulturevolution entreißen und sie als identische über die Zeit hinweg stabil halten, dürfte erst mit dem Beginn der Nationalstaaten und damit dem modernen Nationalismus sowie der Schulen aufgekommen sein, wo nicht nur eine Nationalsprache durchgesetzt, sondern diese auch durch Wörterbücher, Grammatiken und Rechtschreibvorschriften reguliert und normalisiert werden sollte.

China also will nun, wie People's Daily berichtet, auch seine Sprachen säubern vor angeblich unnötigen Anglizismen, die über die Grenze spülen und mit denen die Menschen spielen, weil sie damit auch an eine Welt andocken, die ebenso global wie interessant ist, die sie auch sprachlich integrieren wollen. Aber das scheint auch den chinesischen Autoritäten gefährlich zu sein, die warnend sagen, dass mit der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung zunehmend fremde Sprachen in allen Publikationsarten von Zeitungen über Büchern und audiovisuellen Produkten bis hin zum Internet verwendet würden. Dabei sei der „Missbrauch“ häufig, besonderes Missfallen scheint die Hybridisierung oder das Chinglish auszulösen, also wenn Worte oder Abkürzungen halb Englisch und halb Mandarin sind und die angeblich niemand versteht.

Solch ungebührliches Sprachverhalten trübt nicht nur die "Reinheit der chinesischen Sprache", sondern hat auch negative Folgen für eine "harmonische und gesunde Kultur", meinen die staatlichen Sprachenschützer, die sich durchaus Vorbilder im Westen genommen haben könnten, beispielsweise die Franzosen, die als einstige Grande Nation auch ihre Sprache vor invasiven Begriffen mehr oder weniger gut zu verteidigen suchen. In der EU geht es nicht anders zu. Die EU gibt jährlich für die Übersetzung von Dokumenten und vor allem von Parlamentsdebatten in die 23 Amtssprachen mehr als eine Milliarde Euro aus, ein Prozent des Gesamthaushalts. Allein die Übersetzung eines Sitzungstags des Europäischen Parlaments kostet um die 120.000 Euro, wenn 20 Sprachen ineinander simultan übersetzt werden müssen, wofür Hunderte von Übersetzern beschäftigt werden müssen. Eine Garantie für besseres Verständnis gibt es dadurch keineswegs, da die Übersetzungen weder von den Sprechern noch von den Hörern kontrolliert werden können.

Für Publikationen müssen nun in China die festgelegten Wort- und Grammatikregeln befolgt werden. Übersetzungen sollten den grundlegenden Übersetzungsregeln gehorchen, Eigennamen sowie wissenschaftliche und technische Begriffe sollten ins Chinesische übersetzt werden. Ob man dann auch verzweifelt versuchen wird, Worte wie Computer, chillen oder cool nur in Mandarin zuzulassen, wird man sehen, verlangt wird jedenfalls, dass dann, wenn Worte nicht übersetzt werden, eine Erklärung beigefügt werden müsse. Es wird eine Qualitätskontrolle stattfinden, mit Strafen wird gedroht.

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