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Cry, Argentina! (Update)

24.03.2016

Obama kündigt zum 40. Jahrestag des Militärputsches umfangreiche Aktenfreigaben an

Seit 1974 war Argentinien von Isabel Perón regiert worden. Die Witwe des faschistischen Machthabers Juan Perón war von diesem als Vizepräsidentin eingesetzt worden und hatte das oberste Staatsamt quasi geerbt. Das von Korruption, Wirtschaftskrisen, Arbeitskämpfen, rechtsgerichteten und linksgerichteten Guerilleros gebeutelte Argentinien drohte aus US-Sicht dem Kommunismus anheim zu fallen. Dies missfiel vor allem US-Strategen Dr. Henry Kissinger.

Am 24. März 1976 putschte die argentinische Militärführung unblutig und installierte eine sieben Jahre währende Militärdiktatur. Der damalige US-Außenminister Kissinger ließ seinen argentinischen "Amtskollegen" wissen: "If there are things that have to be done, you should do them quickly." Mindestens 30.000 Menschen wurden von den Schergen der Junta verschleppt und verschwanden in den geheimen Foltergefängnissen. Bereits eine unerwünschte politische Haltung reichte hierzu aus. Zu den Grausamkeiten gehörte der Abwurf von Müttern aus Flugzeugen, nachdem sie entbunden hatten und ihrer Kinder beraubt wurden.

Der Staatsterrorismus traf nicht nur Argentinier, sondern auch junge Deutsche wie die Studenten Elisabeth Käsemann und Klaus Zieschank. Die Rolle der Bundesregierung, die sich in dieser Angelegenheit bestenfalls halbherzig engagierte und offenbar den Wirtschaftsbeziehungen den Vorzug gab, ist noch nicht aufgeklärt.

Entsetzt über den "guerra sucia" (schmutzigen Krieg) beschwerte sich hinter den Kulissen jedoch der ansonsten durchaus linientreu-konservative US-Botschafter Robert Hill, was Kissinger nicht entzückte. Kissinger wurde darüber unterrichtet, dass man in Argentinien "chilenische Methoden“ anwende, darunter Terror wie das Töten von Priestern und Nonnen. Zu den Ritualen gehörten damals auch Bücherverbrennungen etwa marxistischer Literatur. Etliche Dokumente zur Kontroverse zwischen Hill und Kissinger sind bereits seit Jahren öffentlich zugänglich.

Viele Angehörige der Verschwundenen haben noch immer keine Klarheit über das Schicksal ihrer Verwandten. Gegen die Freigabe der Akten hatten insbesondere CIA, Verteidigungsministerium wie auch FBI Widerstand geleistet. Zwei Jahre, nachdem Argentinien etliche Akten der Militärdiktatur zugänglich gemacht hat, will nun auch US-Präsident Obama nachziehen. Im Vorfeld seines aktuellen Besuchs in Buenos Aires hat Obama ebenfalls die Freigabe zahlreicher Dokumente angekündigt. Während in Argentinien Angehörigen der einstigen Junta inzwischen der Prozess gemacht wurde, hat der auch in Deutschland stets gern gesehene Dr. Kissinger nichts zu befürchten.

UPDATE

Das National Security Archive hat heute weitere Dokumente veröffentlicht. So wurde Kissinger vor blutigen Gräueltaten gewarnt, der Stratege machte jedoch klar, dass er seine Unterstützung für die Junta nicht infrage stellte.

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