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Nachrichten über die Verbesserung, Erweiterung und Ablösung des Menschen

Das Koks, die Krise und der Kapitalismus

25.10.2013

Der britische Psychiater und ehemalige Drogenbeauftragte David Nutt behauptet: Der Konsum von Kokain löste die Finanzkrise aus

Für die Finanzkrise gibt es allerlei Gründe: Raffgier, Profitdenken, Spekulationen, kuriose Anlageformen, Seifenblasen jeder Art. David Nutt, Psychiater, Neuropharmakologe und der bekannteste Drogenexperte Großbritanniens, präsentiert nun einen weiteren Grund: Kokain. Die Börsenianer und Banker hätten dermaßen viel geschnupft, dass ihnen jeglicher Sinn für die Realität abhanden gekommen sei. Erst der Konsum von Kokain habe die verantwortlichen Finanzhaie dazu getrieben, nichtkalkulierbare Risiken einzugehen, weil sie sich berauscht durch die Droge wie unbesiegbare Superhelden fühlten.

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"Die Banker konsumieren Kokain und haben uns in diese schreckliche Misere geritten. Kokain ist die perfekte Droge für eine Kultur des Überschwangs, der Angespanntheit und eines 'mehr und mehr und mehr'. Es ist eine 'mehr'-Droge", meint der Drogenexperte Nutt.

David Nutt machte zuvor schon Schlagzeilen. Als Regierungsbeauftragter für Drogenpolitik schrieb er 2008 in einer wissenschaftlichen Publikation, dass der Konsum von Ecstasy nicht gefährlicher sei als Reiten – eine Aussage, für die sich später entschuldigen musste und anschließend seinen Job verlor.

Bereits kurz nach Ausbruch der Finanzkrise sagte der damalige US-Präsident George W. Bush: "Wall Street got drunk." Der Alkoholiker Bush sah die Wall Street im Suff, der Drogenforscher Nutt sieht sie im Koks. Mittlerweile ist in Großbritannien eine Diskussion darüber entbrannt, ob der polemisierende Nutt mit seinem Urteil ins Schwarze getroffen habe. Die Diskussion erstreckt sich in den Blogs, auf Facebook und in führenden Medien wie dem Guardian.

Bei all dem Medienhype droht einmal mehr unter den Tisch zu fallen, dass die gegenwärtige Finanzkrise eigentlich nur der Höhepunkt einer permanenten Weltwirtschaftskrise des Kapitalismus ist. Thesen wie die von Nutt implizieren, dass der Kapitalismus einwandfrei funktioniere und der gesamten Welt Wohlstand bringe, sobald ein paar Banker auf Entzug seien. Es ist aber schnurzpiepegal, ob die Börsenhaie nun völlig "high" oder "clean" sind. Die Weltwirtschaftskrise ist nicht das Resultat koksender Finanzjongleure, denen mal eben die Bälle aus der Hand gefallen sind. Sie ist das Resultat eines in sich kaputten Systems namens Kapitalismus.

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