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Nachrichten aus Politik und Wirtschaft

Das alternde China

08.12.2009

In der Volksrepublik wird der Abschied von der Ein-Kind-Politik diskutiert

Chinas Bevölkerungswachstum hat sich in den letzten Jahrzehnten drastisch reduziert und wird in absehbarer Zeit zum Stillstand kommen. Zwischen 1990 und 2007 nahm die Zahl der Einwohner im Jahr nur noch um durchschnittlich 0,9 Prozent zu (Welt: 1,4 Prozent). Mit 12 Geburten auf 1000 Einwohner lag 2007 die Geburtenrate bereits unter der der USA, die auf 14 Geburten pro 1000 Einwohner kam.

Das ist ohne Zweifel Ergebnis der so genannten Ein-Kind-Politik, die 1971 eingeführt wurde. Mit zum Teil drastischen Strafen, die von Provinz zu Provinz variieren, werden die Familien gezwungen, die Zahl ihrer Kinder zu beschränken. In den Städten ist das meist eines, auf dem Land können es auch zwei sein, insbesondere, wenn das erste Kind ein Mädchen war.

Nationalen Minderheiten sind meist mehr Kinder erlaubt, sie wurden überwiegend auch erst in den 1980er Jahren den Restriktionen unterworfen. In der westlichen Provinz Xinjiang sind uighurischen Familien derzeit zwei Kinder erlaubt, was dort bei vielen Han-Chinesen, die nur ein Kind haben dürfen, zu Neid zu führen scheint. Allerdings gibt es auch Klagen der Uighuren, dass ihnen gegenüber die restriktive Familienplanung konsequenter durchgesetzt wird als gegenüber Han-Chinesen.

Die Art und Weise, wie die Politik durchgesetzt wird, greift oftmals tief in die Menschenrechte der Betroffenen ein. In einigen Metropolen können sie entlassen werden, sofern sie bei einer Behörde oder in einem staatlichen Betrieb arbeiten. In Beijing (Peking) werden zusätzlich Geldstrafen in Höhe des Zehnfachen des Jahreseinkommen fällig. In den 1970er und 1980er Jahren waren außerdem Zwangsabtreibungen nicht selten. Andererseits kann darauf verwiesen werden, dass Chinas dramatischer ökonomischer Aufstieg, das Ende der großen Hungersnöte und die erfolgreiche Bekämpfung der Armut ohne diese Bevölkerungspolitik nicht oder kaum möglich gewesen wäre.

Wie dem auch sei, seit einigen Jahren zeichnet sich für die Volksrepublik ein anderes Problem ab: Die Gesellschaft droht langfristig zu vergreisen. Entsprechend werden seit rund zehn Jahren hin und wieder Rufe laut, die Ein-Kind-Politik zu lockern. Jetzt gibt es Anzeichen, dass sie an höchster Stelle erwogen werden. Die in Hongkong erscheinende South China Morning Post berichtet, dass Tian Xueyuan, der Geschäftsführende Direktor der China Population Association, in einem Beitrag für die zentrale Parteizeitung People's Daily Lockerungen gefordert hat.

Familien, in denen mindestens ein Partner aus einer Ein-Kind-Familie stammt, sollte ein zweites Kind erlaubt werden. Auf dem Land könne man das sofort umsetzen, in den Städten ab 2011 mit dem Beginn des nächsten Fünfjahresplanes. Die Veröffentlichung der Vorschläge an derart prominenter Stelle deutet an, dass eine Änderung der chinesischen Familienplanungspolitik bevorsteht. Eine interessante Frage wird sein, welchen Einfluss dies angesichts rasanter Urbanisierung, hoher Erziehungskosten und wachsender Bildung noch auf die Bevölkerungsentwicklung haben kann. Auch in China gibt es heute viele Faktoren, die in den meisten europäischen Ländern die Geburtenrate immer weiter sinken lässt.

Auf einem anderen Blatt steht, dass eine Vergreisung der Gesellschaft nicht unbedingt jenes ökonomische Problem sein muss, zu dem es hier wie in China gerne erklärt wird. Angesichts des steten Zuwachses der Arbeitsproduktivität ist es nicht unbedingt eine Katastrophe, wenn der Umfang der arbeitenden Bevölkerung schrumpft. Schließlich hatte zum Beispiel Deutschland in den 1960er Jahren, als die Produktivität noch wesentlich geringer war, auch keine Probleme, seine Kinder und Jugendlichen zu versorgen, deren Anteil an der Bevölkerung damals weit über dem heutigen lag.

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