p
Politik News
Nachrichten aus Politik und Wirtschaft

Deutsche Unternehmen warnen vor Blasenbildung

22.12.2009

Die Angst vor der Geldschwemme wächst, weil das Geld spekulativ und nicht produktiv angelegt wird

Auch in der deutschen Wirtschaft macht sich die Angst vor Monsterblasen breit, die mit dem vielen Geld aufgebläht werden, das zur Bekämpfung der Finanzkrise die Geldmärkte weiter flutet. Der Chef der Allianz, Michael Diekmann, fürchtet sich vor den neuen Exzessen an den Finanzmärkten: "Es ist sehr viel billiges Geld dort draußen", sagte er im Interview. Deshalb könnten Investoren wieder hohe Risiken eingehen. "Wir finanzieren gerade die nächste Finanzblase", fasste Diekmann zusammen. Ausgerechnet der Versicherungschef, dessen Konzern von der Bankenrettung profitierte, fordert nun: "Die Banken sollten mehr Risiken im Kundengeschäft eingehen, anstatt mit dem billigen Geld Eigenhandel zu betreiben, der letzten Endes keinen Wert schafft."

Er kritisiert somit die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), weil durch deren Niedrigzinspolitik es für die "Banken billiger ist, Geld bei der EZB zu leihen, als Spareinlagen zu gewinnen". Man müsse dafür sorgen, dass das Kreditgeschäft für Banken wieder attraktiv wird und nicht nur der riskante Eigenhandel. "Wir haben alle davon profitiert, dass viel Geld in den Markt kam. Wir werden auch alle dafür bezahlen", sieht Diekmann das dicke Ende der Geldschwemme kommen. Wobei das nur für die Steuerzahler kommen wird, wie sich in Irland deutlich zeigt.

Und der Allianz-Chef ist mit seiner Angst nicht allein. Der ThyssenKrupp-Chef Ekkehard Schulz meint: "Da sind schon wieder Spekulanten und Finanzjongleure unterwegs, die munter mit Derivaten handeln." Damit sieht auch der Vorstandschef von Deutschlands größtem Stahlkonzern, wie sich gerade "die nächste Blase" gefährlich aufbläht. Die Rohstoffpreise würden nun nicht mehr auf Jahresbasis verhandelt, sondern am kurzfristigen Spotmarkt. "Meine Sorge ist, dass nach der Immobilienblase jetzt eine Rohstoffblase kommt."

Die Aussagen der Unternehmenschefs stehen den positiven Aussichten der EZB diametral entgegen. Obgleich sogar Euroländer sich immer stärker der Staatspleite nähern und die EZB gerade die zu erwartenden Bankverluste um 65 Milliarden auf 553 Milliarden Euro erhöhen musste, will sie eine verbesserte Stabilität am Finanzmarkt erkennen.

Die Befürchtungen von Diekmann und Schulz machen die Ängste von vielen Unternehmen deutlich. Thyssen-Krupp werde noch bis 2012 brauchen, um wieder das Niveau vor Ausbruch der Wirtschaftskrise zu erreichen, sagte Schulz. Selbst hohe Wachstumsraten in China und Indien könnten den weltweiten Absturz nicht schneller abfangen. Zudem sei es für ThyssenKrupp schwierig, mit schwankenden Rohstoffpreisen umzugehen. Die Allianz kann ihrerseits längst nicht mehr die Überschussbeteiligungen bei der Lebensversicherung garantieren.

Kommentare lesen (148 Beiträge) http://heise.de/-1995909
Anzeige
Hellwach mit Telepolis
Anzeige
Cafe
Telepolis-Cafe

Angebot des Monats:
Kaffee und Espresso aus Guatemala in der Telepolis-Edition für unsere Leser

Cover

Aufbruch ins Ungewisse

Auf der Suche nach Alternativen zur kapitalistischen Dauerkrise

Anzeige
Cover

Vergiftete Beziehungen

Männer oder Frauen: Wer hat recht?

Demokratie am Ende?

Wolfgang J. Koschnick analysiert den Niedergang der entwickelten parlamentarischen Parteiendemokratien. Das verbreitete Klagen über "die Politiker" und die allgemeine "Politikverdrossenheit" verstellt den Blick dafür, dass alle entwickelten Demokratien in einer fundamentalen Strukturkrise stecken.

bilder

seen.by

Mit dem Schalter am linken Rand des Suchfelds lässt sich zwischen der klassischen Suche mit der Heise-Suchmaschine und einer voreingestellten Suche bei Google wählen.

Tastenkürzel:

ctrl-Taste:
Zum Wechseln zwischen Heise- und Google-Suche

esc-Taste:
Verlassen und Zurücksetzen des Eingabe-Felds

Buchstaben-Taste F
Direkt zur Suche springen

SUCHEN

Mit dem Schalter am linken Rand des Suchfelds lässt sich zwischen der klassischen Suche mit der Heise-Suchmaschine und einer voreingestellten Suche bei Google wählen.

SUCHEN

.
.