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Nachrichten aus Politik und Wirtschaft

Die Angst vor dem Crash wächst

21.08.2015

China schickt die Aktienmärkte mit neuen Börsenabstürzen und Wirtschaftsdaten weltweit auf Talfahrt

Trotz aller panischen Stützungsversuche, mit denen sich die chinesische Regierung gegen einen Börsencrash stemmt, gehen die Kapitalmärkte im Land weiter in die Knie. Am Freitag sackte der Shanghai Composite Index erneut um 4,3% ab und fiel mit 3508 Punkten sogar unter das Jahrestief von Anfang Juli, da auch die Kurse schon am Vortag abgestürzt waren. Das war zunächst auch am Mittwoch der Fall. Doch da war mehr als auffällig, dass nach einem Absturz um mehr als 5% wie aus dem Nichts die Wende kam. Der Shanghai Composite machte die Verluste wett und schloss zum Börsenende mit auf 3794 Punkten sogar mit 1,2% im Plus.

Man darf davon ausgehen, dass dies einer erneuten massiven Intervention der Regierung geschuldet ist. Doch auf die warten viele Anleger. Kurserholungen nutzen sie, um zu verkaufen und aus den Aktien auszusteigen, um ihre Verluste zu minimieren. Für diese Strategie gibt es in China mit "Taolao" (Gefangen im Aktienmarkt) schon einen eigenen Begriff. Und anstatt in völliger Panik auszusteigen, ziehen sich viele der etwa 80 Millionen Kleinanleger einigermaßen geordnet zurück, die (auch vom Staat) zum Aktienkauf gedrängt worden waren und sich mit dem "Lasso" eingefangen fühlen. Sie waren meist erst eingestiegen, als der Markt schon heiß gelaufen war. Das Taolao lässt nun die staatlichen Stützungsmaßnahmen wirkungslos verpuffen.

Die Blase platzt nun auch an chinesischen Börsen, nachdem dies schon am Immobilienmarkt passiert ist. Und die Wirtschaftsdaten im Land werden zunehmend schlechter. Die Zollbehörde hatte schon gemeldet, dass die Exporte im Juli im Vergleich zum Vorjahresmonat sogar um 8,3% geschrumpft sind. Das war ein Grund, warum die Regierung in Peking damit begonnen hat, ebenfalls in den Währungskrieg einzusteigen, um Exporte zu verbilligen.

Der unabhängige Caixin/Markit-Einkaufsmanagerindex hatte schon im Juli deutlich gemacht, dass die Industrieproduktion Chinas schrumpft. War ohnehin damit gerechnet worden, dass der Index im August weiter sinkt, fiel er noch stärker als erwartet auf 47,1 Punkte. Im Juli waren es noch 47,8 und das war der tiefste Stand seit Juli 2013. Bei 50 Zählern wird von einer stagnierenden Produktion ausgegangen und darunter schrumpft sie. Der derzeitige Stand zeigt an, dass die Produktion wie seit März 2009 nicht mehr geschrumpft ist, also in der Hochphase der weltweiten Finanzkrise.

Die leichten Schockwellen, die schon jetzt von China ausgehen, spüren nicht nur Rohstoffproduzenten wie Australien sehr deutlich. Die hatten lange vom Boom in China profitiert, rutschen nun aber tief in die Krise. Auch Japan bekommt mit abstürzenden Exporten die Konjunkturflaute im Reich der Mitte stark deutlich zu spüren. Das Land befindet sich wieder auf dem Weg zurück in die Rezession. Und so ist es kein Wunder, dass der Nikkei-Index in Tokio ebenfalls am Freitag erneut auf heftige Talfahrt ging. Er ist um 3% auf 19 435,83 Punkte eingeknickt und schloss auf den tiefsten Stand seit Anfang Mai.

Schwache Konjunkturdaten aus China und den Schwellenländern, aber zuletzt auch aus den USA machen zunehmend die Anleger weltweit nervös. Der deutsche Leitindex Dax fiel in Frankfurt schon am Donnerstag unmittelbar nach Handelsbeginn auf den tiefsten Stand seit Ende Januar. Er schloss mit einem Verlust von gut 2,3% und auch am Freitag ging er weiter in die Knie. Er schwächte zwar die starken Verluste im frühen Handel ab, doch er steht mit knapp 1,5% im roten Bereich.

Gerechnet wird allseits inzwischen auch mit einem Dämpfer für die US-Wirtschaft. So schloss auch der Dow-Jones-Index an der Wall Street am Donnerstag mit 2,1% im Minus. Das war der größte Tagesverlust seit knapp anderthalb Jahren. Die Abkühlung in China schickt zudem den Ölpreis immer weiter auf Talfahrt und bringt damit Produzenten, vor allem die teure Fracking-Industrie, in arge Not. Es wird längst damit gerechnet, dass auch diese auf Pump finanzierte Blase nun platzt.

Vor einem Jahr lag der Ölpreis noch bei knapp 100 Dollar, doch der Preis für ein Barrel US-Rohöl der Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) sogar unter die Marke von 40 US-Dollar zu fallen. Und damit liegt er deutlich unter dem Wert, mit dem rentabel Fracking betrieben werden kann. Der Preis sackte am Freitagmittag auf 40,21 Dollar ab. Er erreichte damit einen neuen Tiefstand seit mehr als sechs Jahren, der vergangene Woche noch mit 42 Dollar verzeichnet worden war.

Den USA macht zudem die Dollarstärke zu schaffen. Da die US-Notenbank (FED) damit begonnen hat, aus der Geldschwemme auszusteigen, wertete der Dollar auf, weil die Geldpolitik von Japan, China und nicht zuletzt der Europäischen Zentralbank deutlich auf Abwertung zielen. Deshalb sinken nun die Chancen, dass die FED im September die Zinsen anhebt. Das ist seit langem angekündigt, würde aber den Dollar weiter stärken.

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