p
Politik News
Nachrichten aus Politik und Wirtschaft

Die Atlantische Krise

25.02.2010

Japans Exporte explodieren, Asien koppelt sich von der alten Welt ab

Während hierzulande und auch jenseits des Atlantiks – von der EU-Peripherie gar nicht zu reden – die Wirtschaft vor sich hin kriecht und nicht so recht aus dem tiefen Konjunkturtal herauskommen will, kommen aus Japan, dem Land, das zwei Jahrzehnte im ökonomischen Tiefschlaf verbrachte, erstaunliche Nachrichten: Im zweiten Monat in Folge sind die Exporte gewachsen, nachdem es zuvor 15 Monate nur bergab ging. Im Dezember gab es ein Plus von 12 Prozent und im Januar gar eines von 40,9 Prozent, beide Angaben im Vergleich zum jeweiligen Vorjahresmonat.

Besonders die Exporte in die benachbarten asiatischen Länder haben zugelegt, und zwar um zwei Drittel. "Die boomende Nachfrage in Asien unterstützt weiter die Erholung der japanischen Exporte", zitiert Business Week den japanischen Ökonomen Hideki Matsumura. Die Zeitung weist allerdings auch darauf hin, dass die Erholung immer noch auf wackeligen Füßen steht. Schwache Inlandsnachfrage, Deflationstendenzen und ein starker Yen bedrohten sie. Dass die Warnungen nicht unbegründet sind, zeigte die Entwicklung an der Tokyoter Börse am Donnerstag, wo die Kurse trotz der guten Nachrichten absackten. Insbesondere die Titel von Exporteuren verloren, weil die Börsianer durch einen hohen Yen-Kurs verunsichert waren.

Interessant an der Entwicklung ist jedoch, dass Asien sich zunehmend von Europa und Nordamerika abzukoppeln zu scheint. Nicht dass Beziehungen abgebrochen oder vernachlässigt würden, aber der innerasiatische Handel hat für viele Länder inzwischen eine größere Bedeutung als der Warenaustausch mit den alten Zentren der Weltwirtschaft. Das war vor zehn Jahren noch ganz anders.

China ist zum Beispiel 2009 zum wichtigsten Handelspartner Japans aufgestiegen. Im Januar wuchsen die Ausfuhren aus dem Land der aufgehenden Sonne in die Volksrepublik um rund 80 Prozent auf 920 Milliarden Yen (76,3 Milliarden Euro)*. Insgesamt exportierte Nippon nach Asien für 2,7 Billionen Yen und in den Rest der Welt für 2,2 Billionen Yen. Die USA nahmen im Januar Waren im Wert von 710,4 Milliarden Yen (plus 24,2 Prozent) und die EU von 580 Milliarden Yen (plus 11,1 Prozent) auf.

Vielleicht wird man in 20 Jahren ja einmal die Zeit gegen Ende des ersten Jahrzehnts des dritten Jahrtausends nicht mehr eine Finanzkrise, sondern die Große Atlantische Krise nennen, weil sie den Anfang vom Ende des atlantischen Zeitalters markierte.

* Korrektur:

Wie ein Leser richtig anmerkt, ist hier das Komma verrutscht. 920 Milliarden Yen entspricht derzeit 7,63 Milliarden Euro.

Anzeige
Hellwach mit Telepolis
Anzeige
Cafe
Telepolis-Cafe

Angebot des Monats:
Kaffee und Espresso aus Guatemala in der Telepolis-Edition für unsere Leser

Cover

Aufbruch ins Ungewisse

Auf der Suche nach Alternativen zur kapitalistischen Dauerkrise

Anzeige
Cover

Vergiftete Beziehungen

Männer oder Frauen: Wer hat recht?

Demokratie am Ende?

Wolfgang J. Koschnick analysiert den Niedergang der entwickelten parlamentarischen Parteiendemokratien. Das verbreitete Klagen über "die Politiker" und die allgemeine "Politikverdrossenheit" verstellt den Blick dafür, dass alle entwickelten Demokratien in einer fundamentalen Strukturkrise stecken.

bilder

seen.by

Mit dem Schalter am linken Rand des Suchfelds lässt sich zwischen der klassischen Suche mit der Heise-Suchmaschine und einer voreingestellten Suche bei Google wählen.

Tastenkürzel:

ctrl-Taste:
Zum Wechseln zwischen Heise- und Google-Suche

esc-Taste:
Verlassen und Zurücksetzen des Eingabe-Felds

Buchstaben-Taste F
Direkt zur Suche springen

SUCHEN

Mit dem Schalter am linken Rand des Suchfelds lässt sich zwischen der klassischen Suche mit der Heise-Suchmaschine und einer voreingestellten Suche bei Google wählen.

SUCHEN

.
.