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Die Deutschen sind mit dem Virus des Pessimismus infiziert

20.11.2008

Der Datenreport 2008 bietet einen Zahleneinblick in die Verfassung Deutschlands und der Deutschen.

Die Deutschen sind Pessimisten. Zwar sagten leicht über dem europäischen Durchschnitt 87 Prozent im Jahr 2006, sie seien mit ihrem Leben zufrieden (Dänemark 97%, Bulgarien 37%), und 2007 meinten 82 Prozent sie seien sogar glücklich (Dänemark wieder mit 97% an erster, Bulgarien mit 40% an letzter Stelle). Doch nur 25 Prozent der Deutschen erklärten letztes Jahr gleichzeitig, dass es ihnen besser als vor 5 Jahren gehe, 30 Prozent hoffen immerhin, dass es ihnen in 5 Jahren besser ergehen wird.

Bei der Bewertung der Zukunftsaussicht liegen die No-Future-Deutschen, bei denen schon Jahre lang Düsternis angesagt zu sein scheint, am Schluss der EU-Länder. Das mag auch damit zusammenhängen, dass gerade einmal 26 Prozent der Deutschen an die Sicherheit der Rente glauben - und damit auch hier am pessimistischsten sind, was allerdings verwundert, weil trotzdem mit 58 Prozent überdurchschnittlich viele den Wohlfahrtsstaat als gut und 88 Prozent den Arbeitsplatz als gesichert einschätzen. Aber das war auch schon vor zwei Jahren. Nur Ungarn, Bulgaren und Portugiesen unterbieten die Deutschen in der Meinung, dass es ihnen besser als vor 5 Jahren geht. Am stärksten auf die Zukunft setzen hingegen die Letten, Rumänen oder Esten.

Dafür liegen die Deutschen mit 546 PKWs pro 1000 Einwohner nach Luxemburg, Italien und Portugal an der Spitze. Und ziemlich weit oben rangieren die Deutschen auch beim Bruttoarbeitsverdienst und der Kaufkraft. Hier schnitten 2006 nur die Luxemburger und Briten besser ab. Beim Bildungsstand der Jugendlichen liegt Deutschland am unteren Ende, auch bei den Bildungsausgaben befinden wir uns im letzten Drittel.

Zwei Drittel der Westdeutschen hat den Eindruck, gerecht am Wohlstand beteiligt zu sein. Die Überzeugung hält sich seit 1992 in etwa durch, nur 2004 gab es kurzzeitig einen Abschwung auf 61 Prozent. Bei den Ostdeutschen ist es umgekehrt. Kurz nach der Wende hatten erst 19 Prozent das Gefühl einer gerechten Beteiligung, 2006 sind immer erst noch 37 Prozent.

Der vom Statistischen Bundesamtes (Destatis), der Gesellschaft Sozialwissenschaftlicher Infrastruktureinrichtungen (GESIS-ZUMA) und des (WZB) veröffentlichte Datenreport 2008 vereint die Ergebnisse der amtlichen Statistik und der wissenschaftlichen Sozialberichterstattung, um ein mit 458 Seiten und mit zahllosen Daten gespicktes Bild der Lebensverhältnisse und der Einstellungen der Menschen zu bieten.

Dort findet man beispielsweise auch, dass trotz internationalem Terrorismus und der Aufblähung des Sicherheitsstaat offenbar Politiker anders denken als die Bürger: "In beiden Teilen Deutschlands war den Bürgern bis zur Jahrtausendwende die 'Aufrechterhaltung von Recht und Ordnung' – also ein materielles Ziel – am wichtigsten. Sprachen sich Anfang der 1980er Jahre noch rund die Hälfte der Westdeutschen dafür aus, waren es in den 1990ern rund 40 % und im Jahr 2006 noch 34 %. In Ostdeutschland waren in den 1990ern für über 50 % der Befragten die »Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung« das mit Abstand wichtigste Ziel, doch sank die Zahl rasch auf 39 % im Jahr 2000 und 31 % im Jahr 2006 ab. Damit gibt es den ersten Rang an ein postmaterielles Ziel ab, nämlich 'Mehr Einfluss der Bürger auf die Entscheidungen der Regierung'."

Die "Zufriedenheit" mit dem Funktionieren der Demokratie ist im Osten seit 1992 immer niedriger als im Westen gewesen. Im Osten hängt ein Großteil der Bevölkerung an der Idee des Sozialismus fest, der nur nicht richtig umgesetzt wurde. Das mag auch darin begründet sein, dass es den Menschen hier schlechter geht und die Armut zunimmt.

Auch der Datenmonitor bestätigt, dass die Kluft zwischen Arm und Reich größer wird. Die Haushaltsnettoeinkommen sind zwischen 2001 und 2006 kaum gestiegen, nämlich gerade einmal um 20 Euro. Während der Anteil der ärmsten 20 Prozent am Gesamteinkommen gesunken ist, ist der der reichsten 20 Prozent weiter gestiegen. Die gestiegene Ungleichheit, so der Bericht, werde überdies "weniger stark als früher durch staatliche Umverteilungsmaßnahmen reduziert".

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