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Die Gier ist stärker als der Zweifel

10.01.2013

Der Fleischatlas 2013 beleuchtet unseren Fleischkonsum und seine weltweiten Folgen

Was hat mein Döner mit dem Regenwald zu tun? Und welchen Zusammenhang gibt es zwischen Armut in Afrika und Fleischexporten aus der EU? Der Fleischatlas 2013, herausgegeben vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, der Heinrich-Böll-Stiftung und Le Monde Diplomatique beleuchtet die globalen Zusammenhänge von Fleischerzeugung und Konsum.

Auffällig ist das sehr zwiespältige Verhaltnis der Deutschen zur ihrer Lust am Fleisch. Einerseits ist das Ansehen der Fleischindustrie mittlerweile sogar schlechter als das der Pharmaindustrie, anderseits essen 85 Prozent der Deutschen täglich Fleisch. Besonders junge Leute (Männer zwischen 19- bis 24 Jahren und Frauen zwischen 25- bis 34 Jahren) sind die größten Fleischesser, im Schnitt vertilgt jeder Deutsche 60 kg davon, im Laufe seines Lebens 1094 Tiere.

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Durchschnittlicher Fleischverbrauch eines Deutschen. Bild: Fleischatlas

Die Fleischindustrie läuft auf Hochtouren, und deutsche Fleischfabriken produzieren sogar 17 Prozent mehr Fleisch, als verzehrt wird, der Rest geht subventioniert in den Export. Das ist nur durch die Ausweitung der Anbauflächen für Futter möglich. Bei uns dienen inzwischen zwei Drittel der Agrarflächen der Erzeugung von Futtermitteln. Doch das reicht noch nicht aus. Die deutsche Fleischproduktion ist nur durch den Import von noch mehr billigem Futter möglich. Allein Argentinien hat seine Anbaufläche für Soja in den letzten zwei Jahren um 2 Mio. ha auf 19,7 Mio ha insgesamt ausgeweitet, das ist mehr Agrarfläche nur für die Futtersojaproduktion, als Deutschland an Agrarfläche insgesamt hat.

Auch weitere Kollateralschäden unserer Art der Fleischproduktion sind beunruhigend. So sterben in Europa pro Jahr 25.000 Menschen an antibiotikaresistenten Keimen. Der Fleischatlas zeigt, dass Deutschland beim Antibiotikaeinsatz mit 170 Milligramm pro Kilo erzeugtem Fleisch zu den größten Antibiotikaverbrauchern gehört, damit die Tiere die Haltungsbedingungen bis zur Schlachtung überhaupt erst überleben.

Hubert Weiger vom BUND kritisierte deshalb die ungebrochenen Weiter-so-Mentalität von Funktionären wie Agrarministerin Ilse Aigner. Die EU hatte schon 2006 verboten, Antibiotika zur Wachstumsförderung als Futterzusatzstoffe einzusetzen, doch Aigner lehnte die bundesweite Erfassung der Antibiotikaströme mit dem Hinweis ab, dafür seien die Länder zuständig.

Der Fleischatlas beleuchtet noch viele weitere Aspekte um unseren Fleischkonsum. Ökologische und soziale Probleme durch die Verdrängung von Kleinbauern in den Futtermittellieferländern, die Abholzung von Wäldern, den Verlust biologischer Vielfalt und den Einsatz von Gentechnik und Pflanzenschutzmitteln um nur einige Aspekte zu nennen.

Download des Fleischatlas unter Creative Commons Lizenz (CC-BY-SA) hier: www.bund.net/fleischatlas und www.boell.de/fleischatlas

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