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"Die Lohnquote geht weiter zurück, die Umverteilung zugunsten der Kapitaleinkommen setzt sich fort"

06.09.2012

Nach dem Böckler-Institut werden die Realeinkommen in der Mehrzahl der EU-Staaten 2012 sinken

Der Sparkurs war die falsche Strategie, die verschuldeten Staaten wurden erst recht in die Rezession gespart. Das wird auch die Staaten treffen, allen voran Deutschland, die bislang profitierten. Wie das gewerkschaftsnahe Böckler Institut berichtet, werden die Realeinkommen der Beschäftigten in der Mehrheit der EU-Staaten 2012 sinken, was Rückwirkungen auf die Kaufkraft und damit auf Konjunktur haben wird.

In 16 der 27 EU-Mitgliedsstaaten, so der Europäische Tarifbericht des WSI, werden die Beschäftigten einen Reallohnverlust hinnehmen müssen, meist erneut. Denn 2011 waren die Löhne in der EU bereits durchschnittlich um 0,9 Prozent nach Abzug der Preissteigerung geschrumpft, die EU-Kommission erwartet nun, dass sie in diesem Jahr weiter um durchschnittlich 0,5 Prozent zurückgehen. Am schlimmsten wird es nach dem Böckler Institut Griechenland ergehen, wo die Löhne 2012 vermutlich um 7,5 Prozent sinken werden, in Portugal wird mit einem Minus von 6,1 Prozent gerechnet, in Irland sollen die Löhne um 2,5, in Spanien und Italien um 1,7 Prozent fallen. Auch die dänischen Beschäftigten werden 0,9 Prozent weniger in der Tasche haben, die Briten 0,5 Prozent.

Die Bulgaren werden dagegen mit einem Plus von 2,7 Prozent ihr Realeinkommen noch ein wenig steigern können. Auch die Schweden (1,7), die Österreicher (1,2) und die Polen (1,0) können sich noch glücklich schätzen. Die deutschen Reallöhne werden vermutlich gerade noch einmal mit 0,3 Prozent wachsen. Deutschland ist allerdings der einzige Staat in Europa, so WSI-Experte Thorsten Schulten, "dessen Reallohnniveau zwischen 2001 und 2009 gesunken ist. Der Verteilungsspielraum, der sich aus der Summe von Produktivitäts- und Preisentwicklung ergibt, wird hierzulande erstmals seit 2009 wieder ausgeschöpft. In der EU insgesamt bleibt die Verteilungsbilanz hingegen negativ. Das heißt: Die Lohnquote geht weiter zurück, die Umverteilung zugunsten der Kapitaleinkommen setzt sich fort."

Für Schulten ist diese Entwicklung politisch gewollt, weil durch Senkung der Löhne die Wettbewerbsfähigkeit steigen soll. Das trage aber zu einer Verschärfung der Krise bei, meint Schulten, der die Überschussländer, mithin auch Deutschland, auffordert, durch steigende Löhne die wirtschaftliche Dynamik zu fördern.

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