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Die USA müssen die Hamas als politischen Akteur anerkennen

18.01.2009

Der französische Islamismus-Forscher Olivier Roy plädiert dafür, die Hamas von globalen Dschihadisten-Gruppen zu unterscheiden und als "islamo-nationale Gruppierung" mit einer politischen Agenda zu begreifen

Die Erwartungen sind groß, was den Kurs des neuen US-Präsidenten im Nahen Osten angeht. Obwohl einiges dafür spricht, dass Barack Obama keinen einschneidenden Wechsel vollziehen wird, so stirbt die Hoffnung darauf nur langsam.

Anfang Januar wartete der britische Guardian mit einer kleinen Sensation auf: Laut drei Insider-Quellen aus dem Obama Camp würde im Lager des neuen Amtsinhabers ein neuer Ansatz gegenüber der Hamas erwogen: zwar keine direkten diplomatischen Gespräche, aber ein Ende der Isolation, den Aufbau von Gesprächskanälen. Doch schon diese zarte Andeutung einer Veränderung hatte offensichtlich für so viel Wirbel gesorgt, dass die Meldung am nächsten Tag schon dementiert wurde. In den Tagen darauf folgten dann ganz deutliche Erklärungen, wie etwa von der neuen Außenministerin Hillary Clinton, die jede Verhandlung mit der Hamas absolut ausschloss, solange die Organisation nicht auf Gewalt verzichte, das Existenzrecht Israels anerkenne und sich an alte Abmachungen halte.

Möglicherweise, so die Hoffnung mancher Beobachter, sind solche Statements vor allem zur Beruhigung gedacht - bloße diplomatische Markierungen, die Kontinuität vermitteln sollen; in der konkreten politischen Praxis würde Mister Change dann schon neue kluge Schritte wagen. Laut Olivier Roy, weltweit bekannt durch seine Studien zum Islamismus, wäre es dringend geboten, im Zusammenhang mit der Hamas die destruktive Bush-Doktrin vom Kampf gegen den Terrorismus gegen eine differenziertere, konstruktivere Politik einzutauschen.

Im Gegensatz zu den globalen Dschihadisten der Marke al-Qaida, so Roy in seinem Plädoyer, habe die Hamas, wie auch die Taliban und Widerstandsgruppen im Irak, nämlich eine "territoriale und nationale Agenda". Während es mit den Dschihadisten nichts zu verhandeln gebe, dürfe man die "islamo-nationalen Bewegungen" nicht einfach nur ignorieren oder unterdrücken.

Roy verweist auf die Wende zum Besseren im Irak, die nur erfolgen konnte im Zusammenhang mit der veränderten Einstellung gegenüber den Widerstandsgruppen:

"Lokale Widerständler wurden als politische Akteure mit einer mehr oder weniger legitimen politischen Agenda anerkannt. Somit hat man sie von den ausländischen Militanten mit ihren globalen Zielen, denen die nationalen Interessen des Irak vollkommen egal waren, getrennt."

Auch die Hamas sei "nicht mehr als der traditionelle palästinensische Nationalismus in einem islamischen Gewand"; die Taliban würden ebenfalls hauptsächlich die Interessen der Paschtunen verfolgen als Ziele einer globalen Bewegung. Man müsse sich über die realen Motive und Sehnsüchte - und nicht der eingebildeten - dieser Bewegungen klar werden und verhandeln; die militärische Lösung sei eine Illusion:

Das Anerkennen dieser Einsicht würde die USA dazu bringen, mit den Taliban in Afghanistan zu sprechen und eine politische statt einer militärischen Lösung zu suchen, die auf legitime Sehnsüchte der Pashtunen reagiert. Es würde die USA dazu bringen davon abzusehen, die israelische Selbsttäuschung, wonach man die Hamas mit Gewalt eliminieren könne - und dabei fortwährend palästinensische Aspirationen auf einen eigenen Staat frustriert -, weiter zu unterstützen.

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