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Die lebensbeherrschende Angst um den Arbeitsplatz

29.08.2011

Eine weitere Untersuchung zum Thema "Warum die Deutschen weniger gerne Kinder in die Welt setzen, als es die Staatsräson gebietet" - mit deutlichen Antworten

Die Leipziger Volkszeitung hat eine weitere Umfrage zum großen Thema, warum die Deutschen weniger gerne Kinder in die Welt setzen, als es die Staatsräson gebietet, in Auftrag gegeben. Das Verdienst der Studie - mit 1009 repräsentativ ausgewählten Bürger über 18 Jahre aus dem gesamten Bundesgebiet - ist, dass sie klare und einsichtige Aussagen zu Tage fördert: Die Unsicherheit angesichts der Folgen eines realisierten Kinderwunsches ist zu groß verglichen mit dem, was man hat.

Mehr als zwei Drittel (fast 70 Prozent) aller Befragten im Alter zwischen 18 bis 49 Jahren, nannten die wirtschaftliche Unsicherheit und Arbeitslosigkeit als ersten Hinderungsgrund. Bei Personen, die von Erfahrung geprägt noch vorsichtiger sind, den 30- bis 49-Jährigen, waren es 72 Prozent.

Die Untersuchung verdeutlicht, dass die existenzielle Sorge um den Arbeitsplatz politisches Thema Nummer 1 bleibt. Den Statistiken aus Nürnberg, die feierlich den Rückgang der Arbeitslosigkeit verkünden, wird, wenn es um elementare Entscheidungen geht, nicht getraut. Zumal sich mittlerweile in allen Schichten herumgesprochen haben dürfte, dass die Statistiken verbergen, was in der Lebensplanung zählt: Dass der Arbeitsmarkt sehr schwierig bleibt. Wer einmal seinen Job verloren hat - und nicht mehr ganz jung ist - wird in den meisten Fällen große Probleme haben, einen neuen zu finden. Spürbar wächst vor allem der Niedriglohnsektor und dies bei weiterhin steigenden Mieten.

Zu kompensieren ist das nur mit mehr Einsatz am Arbeitsplatz. Mit unbezahlten Überstunden, Engagement über die tariflich festgelegten Zeiten hinaus. Das Bewusstsein dafür ist gut an Punkt zwei der Argumente gegen Kinderkriegen abzulesen: 63 Prozent der jungen Männer und Frauen wollen "erst einmal im Beruf Fuß fassen und Karriere machen (..), ehe sie an eigene Kinder denken." Das ist realistischer als darauf zu hoffen, dass es, was die Bedingungen der Arbeitswelt betrifft, zu wirklich spürbaren Verbesserungen der Vereinbarkeit von Kindern und Familie kommt.

Das liegt nicht nur an den tariflich zu regelnden Bedingungen allein (Stichwort: "Samstags gehört mein Papa mir"). Das liegt auch daran, dass im deutschen Alltag mit der dazugehörigen Mentalität die Ansprüche sehr hoch geschraubt werden: Großer Arbeitseinsatz mit perfekter, fehlerloser Leistung, perfekte, fehlerlose Erziehung und dazu ein perfekt funktionierender Haushalt - das geht nicht.

Dass angesichts dieser Aussichten die Mehrheit der Jüngeren (54 Prozent der 18- bis 29-Jährigen) bejaht, dass man lieber das eigene Leben genießen wolle, spricht für ihren Realitätssinn in der gegenwärtigen Arbeitswelt und Ökonomie, die dem Lebensgenuss den bevorzugten Platz als Ausgleichsmöglichkeit einräumt. Der ist mit Kindern nur dann zu haben, wenn man die Luft dazu hat.

"Fast jeder Zweite (48 Prozent), darunter im Osten mehr als im Westen, sieht als Grund für die Zurückhaltung beim Kinderwunsch, dass Kinder immer teurer werden und die Eltern nicht genug verdienten. 43 Prozent halten daher auch die finanziellen Leistungen des Staates für Familien für zu niedrig, darunter 47 Prozent im Osten und 42 Prozent im Westen."

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