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EM-Spiele in der Ukraine ohne Merkel?

27.04.2012

Die Nachricht von den Bombenexplosionen in Dnipropetrowsk trifft auf eine gesteigerte Aufmerksamkeit für die politischen Verhältnisse in dem EM-Gastgeberland

Der Hintergrund zu den Bombenexplosionen in der ukrainischen Industriestadt Dnipropetrowsk ist „zunächst unklar“, wie es in den ersten Meldungen heißt. Berichtet wird von mindestens 27 Verletzten, darunter vielen Kindern, von "tumultartigen Szenen und Panik" - ein Bild, das dem Austragungsland der EM im Juni (zusammen mit Polen) gar nicht gelegen kommt.

Die Nachricht von den Bombenexplosionen in der Millionenstadt trifft auf eine in Deutschland und in anderen EU-Staaten gesteigerte Aufmerksamkeit für die politischen Verhältnisse in der Ukraine. Befördert hat sie hierzulande die Absage eines Staatsbesuches durch den Bundespräsidenten. Gauck werde einer Einladung zum Treffen zentraleuropäischer Präsidenten Mitte Mai in Jalta auf der Krim nicht folgen, wurde am Mittwochabend gemeldet und gestern gab es viel Lob für das "starke Signal". Begründet wurde die Absage mit Verweis auf die harte Behandlung, welche die inhaftierte und angeblich in der Haft misshandelte frühere Staatschefin Julia Timoschenko erfährt. Timoschenko befindet sich im Hungerstreik gegen ihre Behandlung.

Was Gauck aus diplomatischen Gründen nicht laut sagen darf, ist in vielen Berichten, auch außerhalb Deutschlands, zu lesen: der Vorwurf, der jetztige Staatschef Viktor Janukowitsch, ausgewiesener politischer Gegner Timoschenkos, übe Rachejustiz.

Seit Gaucks Absage wird der diplomatische Druck auf Janukowitsch erhöht. Über Medien ist zu erfahren, dass die Absage in Absprache mit Kanzlerin Merkel geschah, hinzugefügt wird, dass Merkel besonderen Anteil am Schicksal Timoschenkos nehme. Signalisiert wird zudem, dass die deutsche Kanzlerin, die sich bei früheren Fußballgroßereignissen gerne auf der Tribüne zeigte, möglicherweise nicht zu EM-Spielen in ukrainischen Stadien fahre.

Mittlerweile äußerten sich mehrere bekannte bundesdeutsche Politiker über das ganze Parteienspektrum hinweg, von Innenminister Friedrich über Außenminister Westerwelle, SPD-Generalsekretären Nahles bis zur Grünen-Chefin Claudia Roth, mit Anteilnahme und Sympathiebekundungen Richtung Timoschenko und lassen durchblicken, dass ein politischer Boykott der EM-Spiele der deutschen Mannschaft in der Ukraine (Gruppenspiele) das Signal der Stunde ist. Selbst ein Boykott seitens der Fußballer wird, rein hypothetisch freilich, angesprochen, um Politikern dann die Gelegneheit für die Äußerung zu geben, dass dies doch dann doch zu weit gehe. Immerhin sollen die Spieler, wie etwa Mario Gomez, schon darauf vorbereitet werden, keine falschen oder gar peinlichen Statements à la "Hier ist alles in bester Ordnung" abzugeben.

Die Reaktion Viktor Janukowitschs auf die deutsche Boykott-Diskussion ist "zunächst unklar". Allerdings soll er Ermittlungen zu den Vorwürfen der Misshandlung Timoschenkos angeordnet haben.

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