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Nachrichten aus Kultur und Medien

Ein Quantum Hakluyt

21.01.2013

CDU-Fraktionsvize Michael Fuchs lässt weiteren Kritiker abmahnen

Die Irritation um die Angaben des stellvertretenden Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Michael Fuchs zu seinen Nebentätigkeiten für die dubiose, dem britischen Geheimdienst nahestehende Beratungsfirma "Hakluyt & Company" erreicht neue Tiefpunkte. Auf der Website des Bundestags war - aus welchen Gründen auch immer - fehlerhaft eine Beratungstätigkeit für eine Hakluyt Society" angegeben worden. Fuchs hatte in einem erstaunlich unkritischen SWR-Beitrag dazu aufgefordert, „mit ein bisschen Recherche, Wikipedia oder irgendwas, überall im Internet“ rauszufinden, dass Hakluyt eine höchst seriöse, höchst honorige Firma sei. Eine seriöse Tätigkeit des Privatgeheimdienstes wurde bislang jedoch nicht augenfällig. Wie jeder Recherchefreudige per Wayback-Machine allerdings recherchieren kann, hatte die Bundestagsverwaltung bereits 2008 die //www.bundestag.de/mdb/bio/f/fuchsmi0.html: falsche Bezeichnung „Hakluyt Society“ angegeben – wie auch immer es dazu kam.

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Es ist nicht unmöglich, aber eben schwer vorstellbar, dass Fuchs oder seinen Mitarbeitern eine solche Panne so langfristig entgangen sein sollte. Korrigiert wurde sie über vier Jahre hinweg nicht. Ob Fuchs das versucht hat, ist nicht bekannt. In einem Formular, in dem viel Platz für eine vollständige Bezeichnung gewesen wäre, sowie ursprünglich auch in einer Excel-Tabelle will Fuchs „aus Platzgründen“ nur „Hakluyt & Co“ und „London“ (wo aber ebenfalls die Hakluyt Society firmiert) angegeben haben. Tatsächlich aber bot das papierne Formular etlichen Platz. Wie auf der Bundestagsseite zu sehen ist, gelang es Fuchs durchaus, ungleich längere Firmennamen anzugeben. Weder auf Papier, erst recht aber nicht in Excel oder im Internet sind für eine verkürzte Namensnennung „Platzprobleme“ nachvollziehbar. Die Abkürzung „Co“ ist für „Company“ zwar nicht unüblich – die korrekte Bezeichnung jedoch lautet „Hakluyt & Company Limited“, was einem im Außenhandel erfahrenen Geschäftsmann wie Fuchs, immerhin Ehrenvorsitzender des Bundesverbandes des deutschen Groß- und Außenhandels, dessen Präsident er neun Jahre lang war, eigentlich geläufig sein sollte. Eine „Limited“ ist etwas anderes als eine „Society“, so dass bei korrekter Angabe der Fehler möglicherweise der Bundestagsverwaltung aufgefallen wäre.

Es mag sein, dass die verkürzte und damit jedenfalls vor dem Hintergrund der schon vormals fehlerhaften Veröffentlichung irreführende Angabe auf Nachlässigkeiten beruht. Es liegt allerdings im Bereich des Wahrscheinlichen, dass dem über die diskrete Firma letztlich schweigsamen Fuchs dieses Missverständnis durchaus erwünscht gewesen sein könnte. Derartiges weist der anständige CDU-Mann nicht nur weit von sich, er bringt sogar seinen Anwalt in Stellung. Nachdem er zunächst abgeordnetenwatch.de mit einer Abmahnung und Aufforderung zur Verbreitung einer Gegendarstellung bedachte, setzt Fuchs seine Charme-Offensive fort. So adelte nunmehr wegen einer Ungenauigkeit das Blog netzpolitik.org mit einer Aufforderung zur Gegendarstellung.

Während der auf seine Rufpflege bedachte Fuchs offenbar viel Zeit auf das Einschüchtern von Netzaktivisten legt, entfaltet er noch immer keine Energien darauf, den Wählern zu erklären, was denn ein deutscher Spitzenpolitiker auf der Payroll einer Firma zu suchen hat, die von Ex-Schlapphüten einer fremden ausländischen Macht hochgezogen wurde. Die Macher von abgeordnetenwatch.de, die bisher noch nie mit einer Abmahnung gegängelt wurden, lassen sich nicht einschüchtern, sondern haben nachgelegt. Dort zitiert man aus einem Schreiben der Bundestagsverwaltung: „Eine entsprechende Vortragstätigkeit haben Sie erstmals im Laufe der 16. Wahlperiode für August 2008 im Rahmen einer eingereichten Excel-Liste unter der Rubrik “Einmalige Vortragsverpflichtungen” und der Bezeichnung “Hakluyt London” einschließlich der entsprechenden Einkünfte gemeldet.“ Würde man dieser Darstellung folgen, dann hätte Fuchs also die Firma mindestens einmal auch ohne „Co“ angegeben. Das aber hätte genauso gut die harmlose Londoner Hakluyt Society sein können.

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