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Ein Viertel der Deutschen würde sich angeblich einen RFID-Chip implantieren lassen

02.03.2010

Mit der vernetzten Welt kann es nur aufwärts gehen, finden Branchenverband BITKOM und Kanzlerin unisono

Da sage doch, wer will, dass die Deutschen nicht der Zukunft offen gegenüber stehen. Die CeBIT hat ihre Tore eröffnet und die Kanzlerin für die Bundesregierung die Informations- und Kommunikationstechnologien als "Treiber der Globalisierung und des Fortschritts" gepriesen, da legt der Branchenverband BITKOM eine Umfrage vor, die belegen soll, dass sich eine Mehrheit der Deutschen ein Leben ohne das Netz nicht mehr vorstellen könne.

Das wird sicherlich richtig sein. Wer einmal das Internet benutzt hat, wird sich kaum mehr in die Zeiten vor dem Internet zurückwünschen. Es ist halt eine Wunschmaschine, die vieles einfach und schnell herbeizaubert. Für 58 Prozent sei ein Leben ohne Internet undenkbar geworden, verkündet BITKOM und erklärt, dass Internet für junge Menschen schon "vor Radio, Fernsehen, Zeitungen und Büchern" liege. Ja, da vollzieht sich ein Generationen- und Medienwandel, dem man zuschauen kann, so schnell geht er voran.

Erstaunlich mag sein, dass trotz allem Hype und allen Vorteilen erst 71 Prozent der Deutschen das Internet nutzen. Was machen die 30 Prozent? Schlafen die oder haben sie das Geld nicht dafür? Aber klar, es sind die Alten, die über 65-Jährigen, die bislang ohne das Internet ausgekommen sind, und die jetzt auch keine Lust mehr verspüren, sich die Geräte und Fertigkeiten anzueignen. Aber die werden aussterben, die nächsten Generationen werden Onliner sein. Viele sagen, dass das Internet Vorteile in Beruf und Freizeit mit sich bringe, eine Mehrheit meint gar gegen alle großbürgerlichen Unkenrufe, dass das Netz ihre Allgemeinbildung verbessert habe. Privat- und Berufsleben überschneiden sich und verschmelzen. Viele sagen auch, dass sich mit dem Internet bessere Beziehungen zu Arbeitskollegen entwickelt und sie auch sonst neue Freunde gefunden hätten. Erotische Bekanntschaften hätten sich so ergeben, man geht zunehmend mehr auf Partnersuche oder Anmache im Internet als in Kneipen oder Discos.

Alles ist schön, so BITKOM-Präsident Prof. Dr. August-Wilhelm Scheer. Zwar findet selbst er es erstaunlich, dass sich 23 Prozent und damit fast jeder vierte Deutsche einen Computerchip implantieren lassen würde, wenn dies bestimmte Vorteile mit sich bringt. "Das ist sicher ein extremes Beispiel, wie weit die Vernetzung in der Vorstellung mancher Menschen gehen kann", so Scheer. Aber er findet das auch gar nicht schrecklich, weil es ja so viele nützliche Folgen hätte: "Nicht nur eine schnellere Rettung im Notfall oder mehr Sicherheit sind mögliche Szenarien: Fünf Prozent aller Deutschen würden sich sogar zum bequemeren Einkaufen einen Chip implantieren lassen, wenn solche Angebote verfügbar wären."

Ein RFID-Chip unter die Haut scheint also vielen gar nicht mehr so schlimm zu erscheinen. Das sollte aber erschrecken, weil tatsächlich das alltägliche Verhalten über Handys, Netz, Überwachungskameras, GPS-Geräte und bargeldlosen Transaktionen immer besser durchschaubar ist. Ein RFID-Chip passt zur transparenten Welt. Das Einverständnis, auch noch wie ein Tier gechippt zu werden, ist eine Unterwerfung unter das scheinbar Unvermeidliche. Allmählich wäre es an der Zeit, ein Lob auf das Verstecken, die Heimlichkeit, die Anonymität und die Maske zu singen – vielleicht auch auf einen vorübergehenden Ausstieg aus der vernetzten Welt und ihren Leinen.

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