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"Eine neue Klasse von Superreichen in Afghanistan"

26.01.2010

Schutzgelder, Drogengelder und Bakschisch - Ermittler fanden bei einer Überprüfung am Kabuler Flughafen mehrere Koffer vollgepackt mit Geldbündel, insgesamt 119 Millionen Dollar in 19 Tagen

Afghanistan ist das ärmste Land der Welt außerhalb Schwarzafrikas. Daran haben auch die acht Jahre des "internationalen Wiederaufbauengagements" nichts geändert, notierte das Auswärtige Amt Ende vergangenen Jahres.

Das Bruttoinlandsprodukt für 2008/2009 schätzt der Internationale Währungsfonds nach Angaben des Außenministeriums auf etwa 12 Milliarden US-Dollar (Anmerkung: Die Zahlenangaben differieren hier sehr). Der Großteil der Staatsausgaben werde durch Subventionen und Zahlungen der internationalen Gemeinschaft finanziert, informiert das deutsche Außenministerium weiter, genannt werden besonders Ausgaben im "Polizei-, Justiz-, Gesundheits- und Bildungssektor". Für die Zuschüsse der internationalen Geber habe man eigens den zweiten externen Haushalt eiungerichtet (dass vieles davon in die Hände derjenigen gelangt, die der Westen ansonsten bekämpft - militante Gruppen, Taliban -, darauf wird immer wieder hingewiesen: Nach Zeitungsberichten geben Unternehmen, die mit dem Aufbau beschäftigt sind, bis zu 20 Prozent der Vertragssummen in "unsicheren Gebieten" an die Taliban ab). Wie das Auswärtige Amt in seinem Landesporträt unter dem Stichwort "Wirtschaft" beschreibt, spielen sich die großen afghanischen Wirtschaftsdeals ohnehin im Schatten ab:

"80 - 90% der wirtschaftlichen Aktivitäten liegen außerdem im informellen und illegalen Sektor."

Laut dem kürzlich veröffentlichten Bericht des Büros der Vereinten Nationen für Drogen-und Verbrechensbekämpfung (UNODC) halten sich die Geschäftsvolumen des Korruptionsbusiness und des Drogenhandels in etwa die Waage: Insgesamt 2,5 Milliarden Dollar steckten die Afghanen im Jahr 2009 nach Schätzungen der UNODC in Bestechungszahlungen. Die Einnahmen aus dem Opiumhandel sollen bei etwa 2,8 Milliarden liegen (andere Schätzungen sprechen hier von einem Volumen von 3,2 Milliarden). Bei der Vorstellung des Berichts vergangene Woche teilte UNODC-Chef Antonio Maria Costa mit, dass einer von zwei Afghanen mindestens einmal im Jahr Bakschisch an einen Behördenmitarbieter zahle:

"Drugs and bribes are the two largest income generators in Afghanistan: together they correspond to about half the country's (licit) GDP."

Fahnder einer Spezialabteilung des britischen Finanzministriums, US-Drogenfahnder und Ermittler beider Staaten, die auf das organisierte Verbrechen spezialisiert sind, haben bei einer 19-tägigen Untersuchung des Transits am Flughafen Kabul mehrmals Koffer voller Geldbündel entdeckt - insgesamt wurden in diesem Zeitraum 119 Millionen Dollar bei der Ausreise erwischt, auf den einzelnen Tag umgerechnet also ungefähr 6 Millionen Dollar.

Das meiste Geld war für die die Vereinigten Emirate bestimmt und nicht alles Geld sei illegaler Herkunft, so die Ermittler, die der Finazierung der militanten Gruppen auf der Spur sind. Einiges Geld stammt demnach aus Währungsspekulationen und manches gehört zu den Geldströmen des Hawala-Systems (siehe Das Banksystem der Armen), ein in islamischen Ländern gebräuchliches informelles Überweisungssystem, das immer wieder den Verdacht westlicher Ermittler weckt. Die britische Zeitung Telegraph zitiert einen amerikanischen Offiziellen mit den Worten:

"Großlieferungen von Millionen Dollar verschiedener Währungen werden jede Woche über den Internationalen Flughafen von Kabul nach Dubai transferiert. Es ist einfach zu viel Bargeld, das das Land auf diese Art verlässt, um das alles allein dem Drogenhandel zuzuordnen."

Es soll, so die britische Zeitung, immer mehr richtig Reiche in Afghanistan geben: "a new class of super rich". VIP-Spuren an den Flughäfen kämen Politikern und Geschäftsleuten bei ihren Geldgeschäften sehr entgegen, gescannt wird woanders.

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