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Emails wirken als Gerüchteküche

08.03.2011

Nach einer Studie, die allerdings soziale Netzwerke noch nicht einbezogen hat, trägt allgemein das Internet nicht zur vermehrten Verbreitung von Gerüchten bei

Immer wieder heißt es, über das Internet würden Gerüchte und falsche Informationen besser und schneller verbreitet, als dies in Vor-Internet-Zeiten der Fall war. Das könnte nach der Studie des Kommunikationswissenschaftlers Kelly Garrett von der Ohio State University aber ein Vorurteil sein. Allerdings lässt sich die Ausbreitung eines Gerüchts über das Internet besser nachverfolgen, was einer der Gründe für das Vorurteil sein mag.

Anders sieht es offenbar mit Emails und persönlichen Blogs aus. Zwar stammt nur ein Bruchteil der versandten Emails von einem dem Empfänger persönlich bekannten Menschen, aber es ist etwas anderes, ob man auf einer Website von einem Unbekannten etwas liest oder direkt angesprochen wird, was das Misstrauen senkt. Freunden und Familienangehörigen vertraut man gemeinhin eher und ist weniger bereit, die übermittelten Informationen zu überprüfen. Das dürfte, wie auch Garrett meint, bei sozialen Netzwerken wie Twitter und Facebook ähnlich sein, die wurden aber in seiner Studie, die in der Zeitschrift Human Communication Research erschienen ist, nicht einbezogen.

Die Studie basiert auf einer Telefonumfrage bei 600 US-Bürgern im November 2008, unmittelbar nach den Präsidentschaftswahlen. Gefragt wurden die Menschen, ob ihnen 10 Gerüchte, die damals über die Präsidentschaftskandidaten Obama/Biden und McCain/Palin zirkulierten, begegnet waren. 8 waren falsch, wie das Gerücht, dass Obama ein Muslim sei, 2 waren richtig.

Das Ergebnis: Internetnutzer waren auf mehr Gerüchte gestoßen, wobei die Neigung zu steigen scheint, an Gerüchte zu glauben, je mehr man hört. Nach Garrett führen jeweils zwei zusätzliche Gerüchte die Menschen dazu, an eines mehr zu glauben. Daraus könnte man ableiten, dass Gerüchte doch eine gewisse memetische Ansteckungskraft haben oder dass Menschen, die eher an Gerüchte glauben, auch stärker Quellen benutzen, die ebensolche verbreiten. Aber das ist Spekulation, denn Garrett sagt, dass die Internetnutzer eben auch eher auf Widerlegungen der Gerüchte stoßen, wodurch der Glaube an sie kompensiert wird. Allgemein würde mit dieser online ebenfalls stattfindenden Arbeit der Aufklärung die Internetnutzung die Zahl der Gerüchte, an die jemand glaubt, nicht erhöhen.

Betrachtet man hingegen nur politisches Blogs und Email-Nutzung, dann würden die Menschen hier stärker auf Gerüchte stoßen. Besonders auffällig ist dies bei Emails, die von Freunden oder Familienangehörigen kommen. Je mehr Gerüchte die Menschen über Emails von diesen erhielten, an desto mehr Gerüchte glaubten sie auch. Und sie versandten desto mehr Emails mit diesen Gerüchten, je mehr Emails mit Gerüchten sie erhielten. Hier scheint nach Garrett ein Teufelskreis zu wirken, der am stärksten dann ist, wenn es sich um negative Gerüchte über den jeweils abgelehnten politischen Kandidaten handelt. Das wiederum ist naheliegend, weil Freunde und Familienangehörige eher die eigenen politischen Orientierungen teilen. Es handelt sich, so Garrett, um einen sich selbst verstärkenden Prozess durch Wiederholung: "Es gibt Menschen, die dazu neigen, die Gerüchte, die sie von Freunden erhalten, zu glauben, was sie dazu bringt, sie an andere Freunde weiter zu leiten, die das auch immer wieder wiederholen."

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