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"Es besteht die Gefahr eines schweren Kernschmelz-Unfalls"

11.03.2011

Der Ausfall des Kühlsystems des japanischen Kernkraftwerks Fukushima löst bei Experten Großalarm aus

Zuerst gab es beschwichtigende Nachrichten. Das Erdbeben in Japan hatte zwar gigantische Werte auf der Richterskala und auf den Fotos sah alles aus wie in Katastrophenfilmen, aber von vielen Toten war lange Zeit nicht die Rede. Die Nachrichten über Hunderte von Leichen bei Sendai gab es erst am späten Nachmittag; jetzt wird mit schlimmsten Meldungen gerechnet. Ähnlich verhält es sich bei den betroffenen Atomkraftwerken. Zwar war bald von einem "nuklearen Notfall" die Rede, der zum ersten Mal in der Geschichte Japans ausgerufen wurde, aber die Begleitkommentare waren am frühen Nachmittag noch eher abwiegelnd.

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Am späten Nachmittag titelt das deutsche Nachrichtenmagazin mit der "Angst vor der Kernschmelze". Grund zur Angst liefert der Stromausfall beim Kernkraftwerk Fukushima Daiichi (siehe Notstromversorgung ausgefallen), der ernsthafte Probleme mit der Kühlung zur Folge hat, zumal nach Medienangaben auch die Notstromversorgung nicht funktioniert hat. Für Experten ist das Anlass für die höchste Alarmstufe.

"Die für die Steuerung des Atomkraftwerks erforderlichen Batteriekapazitäten sind in zwei Blöcken nahezu erschöpft. Um die Batterien zu schonen, musste das Notkühlsystem abgestellt werden. Durch den Austritt von Kühlwasser über ein Leck steigt derzeit der Druck im Containment. Es besteht die Gefahr eines schweren Kernschmelz-Unfalls."

Henrik Paulitz von IPPNW

"Bei einem totalen Stromausfall funktioniert kein Sicherheitssystem mehr", zitiert der Spiegel den früheren Chefkonstrukteur der Atomkraftwerke des Vattenfall-Konzerns, Lars-Olov Höglund: "Wenn das passiert, ist es aus."

Auch der "Greenpeace-Reaktorexperte", Heinz Smital, vom Stern befragt, warnt: "Selbst ein abgeschaltetes Atomkraftwerk kann noch zum Super-GAU führen." Grund sei die Nachwärme, eine Kernschmelze könne nur durch eine zuverlässige Kühlung "sichergestellt" werden. Aber möglicherweise, so Smital, könnten durch das Erdbeben viele Systeme gestört worden sein.

"Die Restzerfallswärme ist ungeheuer groß, nämlich sieben Prozent der Kraftwerksleistung", wird der ebenfalls atomkraftkritische Experte und Buchautor Mycle Schneider im Spiegel-Bericht wiedergegeben - als Kenner, "der mehrere Dutzend Male als Atomgutachter in Japan war". Seine Erkenntnis: "Ich würde zurzeit alle Informationen aus Japan mit der Pinzette anfassen."

Dass die japanischen Behörden die Evakuierungszone um die Atomanlage Fukushima vergrößerte, wird als beunruhigendes Indiz der Gefahrenlage gewertet. Doch soll die japanische Nachrichtenagentur Jiji später Entwarnung gegeben haben:

Nachdem in dem Reaktor das Kühlwasser auf einen beunruhigend niedrigen Stand abgesunken war, sei ein Lastwagen mit dem notwendigen Gerät eingetroffen, um das Problem zu beheben, berichtete die Nachrichtenagentur Jiji. Das defekte Notkühlsystem soll demnächst wieder funktionieren, heißt es von Seiten der Behörden.

Falls nicht, wird es knapp, denn die Batterien, mit denen das Kühlsystem derzeit laufen soll, sind laut der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) in Köln, die sich auf "japanische Angaben" stützt, bald erschöpft. Sollte man die Kühlung nicht wieder ins Laufen bringen, drohe im allerschlimmsten Fall eine Kernschmelze", so GRS-Sprecher Sven Dokter.

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