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Europas erste chinesische Parlamentarierin gibt auf

01.06.2014

In Nordirland wirft ein Mitglied des Regionalparlaments nach massiven Anfeindungen und wegen wachsendem Rassimus das Handtuch

Anna Lo, Europas erste chinesische Parlamentarierin, hat genug vom Rassismus. Seit 2007 gehört sie dem Stormont an, dem nordirischen Regionalparlament; am Sonntag verfehlte sie den Einzug ins EU-Parlament, für das sie die liberale, überkonfessionelle Alliance Party aufgestellt hatte. Nun erklärte sie gegenüber der britischen Zeitung Guardian, dass sie 2016 nicht wieder antreten will, wenn ihr Stormont-Sitz neu vergeben wird. Lo lebt seit 40 Jahren im Norden der geteilten Insel.

Der Zeitung erzählte sie, sie sei bei der Wahlwerbung in einem Einkaufszentrum für ihre Partei von einem "loyalistischen Mob" angegangen worden, der sie mit Beleidigungen überschüttet habe. Sie habe daraufhin die Mall verlassen, man habe sie bis zu ihrem Auto verfolgt. Ihre beiden Söhne würden sich um ihre Sicherheit Sorgen machen und versuchten sie zu überzeugen, zu ihnen nach England zu kommen.

Als Loyalisten oder auch Unionsten werden in Nordirland die meist protestantischen Anhänger des Verbleibs in Großbritannien bezeichnet. Deren besonderen Zorn hatte Lo sich offenbar im März mit einem Interview zugezogen. Gegenüber der in Belfast erscheinenden Irish Times - der Beitrag ist nicht frei zugänglich - hatte sie geäußert, dass sie die Teilung der Insel für künstlich halte.Langfristig könne sich der Norden besser gemeinsam mit der Republik im Süden entwickeln. Sie glaube aber nicht, dass sie die irische Einheit noch erleben werde. Außerdem sei sie antikolonial eingestellt.

Dazu ist wichtig zu wissen, dass Lo unter britischer Kolonialherrschaft in Hongkong aufgewachsen ist. In Nordirland wurde die Äußerung sowohl von Republikanern als auch Loyalisten als Anspielung auf die Situation in Nordirland verstanden.

Lo verwies nach den Anfeindungen gegen sie auch auf jüngste rassistische und islamophobe Vorfälle in Nordirland:

"And what's worse is the rising racism in our community. I have been living here for 40 years and this has forced me out of politics, and made me think about getting out of Northern Ireland altogether. So what must immigrants who have come here only recently think about this place?"

Mitte Mai hatte der evangelikale PastorJames McConnell in einer Predigt vor seiner Gemeinde in Belfast den Islam als "satanisch" und "heidnisch" bezeichnet, womit er für erhebliche Aufregung und Empörung nicht nur bei den Betroffenen sorgte. Unterstützung bekam er allerdings zunächst vom Belfaster Chef der Regionalregierung, dem Unionisten Peter Robinson. Später ruderte Robinson jedoch zurück und entschuldigte sich bei den muslimischen Organisationen Nordirlands.

Die Alliance Partei hatte ihn zuvor scharf kritisiert: "Einen Verrückten zu unterstützen, der solche Bemerkungen macht, gießt in Nordirland Öl in die Flammen", zitiert der Guardian eine Erklärung der Liberalen. In den letzten Wochen habe es zwei bis drei rassistischer Vorfälle pro Woche in Nordirland gegeben. Die Unterstützung des Evangelikalen durch Robinson und andere Regierungsmitglieder würde die Lage verschärfen.

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