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Nachrichten aus Politik und Wirtschaft

Exklusiver Bochumer Atriumtalk

21.12.2012

Nun schaltet sich auch die Staatsanwaltschaft in die Affäre ein, die mit dem Honorar für einen Vortrag von Steinbrück begonnen hat

"Reden ist Silber, Schweigen ist Gold" - dies kann nur behaupten, wer über Veranstaltungen der Art wie die Bochumer Vortragsreihe "Atriumtalk" hinwegsieht. Einer größeren Öffentlichkeit ist sie über das 25.000 Euro Redner-Honorar für den SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück bekannt geworden. Im Nachhinein gab es Unstimmigkeiten darüber, ob das Honorar Steinbrück zugedacht war oder wohltätigen Zwecken.

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Mittlerweile haben sich die Unstimmigkeiten zu einer handfesten Affäre entwickelt. Eingeschaltet hat sich jetzt auch die Bochumer Staatsanwaltschaft, die wegen Untreueverdacht gegen den Vermittler der Gesprächsreihe und Verantwortliche der Stadtwerke Bochum ermittelt. Zudem haben Wirtschaftsprüfer herausgefunden, einiges würde daraufhin deuten, dass das das "karitative Motiv" der Gesprächsreihe Atriumtalk, die schon Jahre vor Steinbrücks Rede aufgenommen wurde, erst "nachträglich gefunden wurde". Darüberhinaus entdeckten die Prüfer noch weitere Unstimmigkeiten in den vertraglichen Vereinbarungen zur Gesprächsreihe.

In der Gegenüberstellung mit der wirtschaftlichen Situation der hochverschuldeten Stadt nimmt sich der finanzielle Aufwand, den die Stadtwerke für die Vortragsreihe Atriumtalk betrieben haben, etwas fragwürdig aus, wenn man den Kosten etwa den Nutzen gegenüberstellt, wie das in wirtschaftlichen Abwägungen ja üblich sein soll. Laut Dokumenten, aus denen "Die Welt" zitiert, kostete etwa der Abend mit Peer Steinbrück im November letzten Jahres insgesamt über 100.000 Euro. Es waren etwa 184 Gäste gemeldet. Ein Abend mit dem ehemaligen Bundespräsident Richard von Weizsäcker Anfang 2008 überschritt ebenfalls die Hunderttausend-Euro-Marke. Die Ausgaben für die Vortragsreihe summieren sich laut diesen Angaben, noch ausstehende Honorarezahlungen nicht einbezogen, bisher auf 793.385 Euro.

Profitiert haben davon sicher die gut bezahlten Redner und der Veranstalter. Ob und wie die Veranstaltung den Bochumer Stadtwerken, der größeren Öffentlichkeit oder der Stadt zugute kam, ist bislang unklar. Ebenso aber auch, ob die "bedenklichen Nachlässigkeiten", die sich in den Vereinbarungen zu den Veranstaltungen auftun, rechtlich relevant sind. Bisher sieht es aber ganz danach aus, dass sich die Veranstaltungsreihe am treffensten mit "üppige Geldflüsse für Promi-Veranstaltungen" zusammenfassen lässt. Die Reihe Atriumtalk wurde mittlerweile eingestellt. Die Stadtwerke verlangen nun einen Teil des Geldes vom Veranstalter zurück.

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