s
Nachrichten aus der Wissenschaft

Exportverbote für Wissenschaft?

10.03.2012

H5N1, die Büchse der Pandora und die Zensurfrage

Forschern der Erasmus-Universität Rotterdam ist es gelungen, das Vogelgrippevirus H5N1 so zu manipulieren, dass es von Säugetier zu Säugetier und daher auch von Mensch zu Mensch übertragbar ist. Die detailgenaue Publikation dieser Forschung stellt, so das US National Science Advisory Board for Biosecurity (NSABB), eine Gefährdung der globalen Sicherheit dar, denn sie erlaube es Terroristen den mutierten H5N1-Virus selbst herzustellen und als Waffe einzusetzen. Die NSABB forderte daher vom Wissenschaftsmagazin Science die Publikation von Arbeiten über das manipulierte Virus nur unter Auslassung relevanter Details vorzunehmen Forschungsarbeiten über gefährliches H5N1-Virus werden zurückgehalten . Folge war ein Moratorium: Science gab bekannt, die Publikation der Ergebnisse aufzuschieben bis seitens der US-Regierung geklärt sei, wie Wissenschaftler zu Forschungszwecken Zugriff auf die vollen Untersuchungsergebnisse haben könnten.

Die Erarbeitung eines solchen logischen und technischen Zugriffskonzepts könnte sich in diesem Fall erledigt haben - zumindest falls die Ideenspiele Henk Blekers Realität werden. Henk Bleker ist Staatssekretär im niederländischen Ministerium für Wirtschaft, Landwirtschaft und Innovation für Landwirtschaft, Natur, Lebensmittelqualität, Handelspolitik, Tourismus und Post und sinnierte im Volkskrant über Verfahren der Geheimhaltung wissenschaftlicher Erkenntnisse. Hintergrund ist die erwähnte Forschung der niederländischen Wissenschaftler der Erasmus-Universität und der moralische Impetus der zugegebenermaßen sensiblen Frage, ob und wie riskante Forschungsergebnisse publik gemacht sollen.

Bleker nutzt diese diffizile Diskussion um Vor- und Nachteile offenen Zugangs zu sensibler Information um seine Vorstellungen von Open Innovation zu lancieren: Die Publikation wissenschaftlicher Erkenntnisse komme generell einem Export einer Ware gleich, daher regt Bleker die Einrichtung von Instanzen an, die den Export von Wissen in Form von Publikationen untersagen können respektive bewilligen müssen. Er grenzte diese Regulierungsidee dabei nicht auf die Veröffentlichung sicherheitsrelevanter Forschung ein. Vertreter der Open-Science-Idee wie Egon Willighagen von der Universität Maastricht kritisieren den Vorschlag Blekers als Zensur wissenschaftlicher Erkenntnisse und als offenen Angriff auf die Freiheit der Wissenschaft.

Kommentare lesen (30 Beiträge) http://heise.de/-1993765
Anzeige
>
<

Darstellungsbreite ändern

Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.

Anzeige

Noch schlimmer als zuvor

Peter Mühlbauer 30.10.2009

Was Banken und Banker aus der Krise gelernt haben

Heute ist Weltspartag. Früher kamen zu diesem Ereignis Vertreter von Geldinstituten in die Grundschulen und erklärten den Kindern in einer Art Religionsunterricht II, dass sie bei ihnen auf wundersam einfache Weise ihr Geld vermehren könnten. Dazu passend gab es Märchenbücher mit Bildern zum Einkleben und bunte Metallsparbüchsen mit beweglichem Henkel, die man hin- und herschwingen konnte.

weiterlesen
Neuer Kampf der Geschlechter? Parteiensystem im Umbruch Projekt Post-Kapitalismus
bilder

seen.by


TELEPOLIS