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Falsche Facebook-Likes

24.09.2014

Nicht nur die von illegalen "Like-Farms” produzierten Likes, auch die über Facebook-Kampagnen generierten unterscheiden sich von denen normaler User

Mit 6,7 Milliarden Dollar Umsatz 2013 ist Facebook am Online-Werbemarkt nicht mehr wegzudenken. Unter anderem bietet Facebook die Möglichkeit, neue Produkte, Dienstleistungen oder bestimmte Veranstaltungen auf eigenen Seiten vorzustellen, auf denen sich die User über die neuesten Entwicklungen informieren lassen und mit am Thema Interessierten in Kontakt treten können. Dafür ist nur ein "Like" erforderlich, wobei die Zahl der "Likes", die eine Seite erhält, als Maßstab für ihre Popularität gilt, und ChompOn den erwarteten Umsatz mit einem "Like" mit 8 Dollar angibt und andere Agenturen Werte zwischen 3,6 und 214, 81 Dollar schätzen.

Um diese prestigeträchtigen Likes zu generieren, können Unternehmen nun Facebook-Anzeigen kaufen, die ihre Sites bei bestimmten Zielgruppen oder Regionen bewerben, oder sie können weniger legale Möglichkeit nutzen, die von sogenannten "Like-Farms" angeboten werden und die nun von einer internationalen Forscher-Gruppe unter der Leitung von Emiliano De Cristofaro vom University College London untersucht wurden. Dazu hatten die Forscher bei Facebook 13 "Honey-pots" eingestellt, bei denen es um "Virtual Electricity" gehen sollte, die aber klar als Fake gekennzeichnet waren und Hinweise enthielten wie: "This is not a real page, so please do not like it."

Für fünf dieser Seiten versuchten sie dabei Likes mit Hilfe von Facebook-Anzeigen zu gewinnen, wobei sie User in den USA, Frankreich, Indien, Ägypten sowie weltweit ansprechen wollten und ein Budget von täglich sechs Dollar zur Verfügung hatten, d.h. für 15 Tage wurden 90 Dollar aufgewendet. Für die acht verbliebenen Seiten nutzten sie vier "Like Farms" (BoostLikes.com, SocialFormula.com, AuthenticLikes.com, MammothSocials.com), die Likes aus den USA bzw. weltweit beschaffen sollten und für 1000 Likes in 15 Tagen zwischen 70 und 190 Dollar verlangten.

Daraufhin analysierte das Forscherteam 22 Tage lang die Aktivitäten auf den einzelnen Seiten mit Hilfe der von Facebook gestellten Statistiken und durch "crawling" der zugänglichen Informationen der Profile der Likers sowie der der von ihnen "gelikten" weiteren Seiten und Freundes-Listen. Zuerst analysierten sie die Fähigkeit der Facebook-Anzeigenkampagne, weltweit Likes zu generieren. So erzielte die US-Kampagne 32 Likes, die ungefähr gleich zwischen männlichen und weiblichen Usern kamen und tatsächlich vor allem aus den USA stammten. Die Kampagnen für Indien und Ägypten brachten hingegen jeweils mehr als 500 Likes aus den gewünschten Ländern, während aus Frankreich 44 Likes kamen, wobei die weltweite Kampagne rund 500 Likes erhielt, die fast zur Gänze aus Indien stammten.

"We stress that our findings do not necessarily imply that advertising on Facebook is ineffective, since our campaigns were specifically designed to avert real users. However, our work provides strong evidence that likers attracted on our honeypot pages, even when using legitimate Facebook campaigns, are significantly different from typical Facebook users, which confirms the concerns about the genuineness of these likes." (De Cristofaro et. al.)

Während die über Facebook-Ads generierten Likers dabei im Schnitt rund 300 Freunde hatten, was dem globalen Facebook-Durchschnitt entsprach, lag die Zahl der von ihnen gelikten Seiten zwischen 600 und 1000, während der Durchschnittsuser nur rund 40 Likes vergibt, was die Forscher doch ein wenig verwunderte. Immerhin kamen die Facebook-generierten Likes langsam und graduell herein, während die Likes der Like-Farms oft in großer Zahl innerhalb weniger Stunden auftauchten. Das ist jedenfalls bei der einfach zu entdeckenden Methode so, die von SocialFormula and AuthenticLikes angewandt wurde. So kamen von AuthenticLikes beispielsweise die gesamten mehr als 700 Likes innerhalb der ersten vier Stunden des 2. Tages der Beobachtungsphase herein, was die Forscher den Einsatz von automatisierten Bots und einer Reihe von gefakten Profilen vermuten lässt.

Die Forscher wundern sich, warum Facebook derart offensichtliche Schiebereien nicht verhindert. Allerdings fanden die Forscher auch Hinweise auf wesentlich schwerer zu identifizierende Praktiken, bei denen die falschen Likes den realen Facbook-Usern weitaus ähnlicher sind, sich aber dennoch in einzelnen Aspekten deutlich unterscheiden, etwa indem sie im Schnitt 1200 bis 1800 Likes vergeben.

Besonders sauer stößt den Forschern aber auf, dass sich auch die über Facebook-Kampagnen generierten Likes deutlich von den normalen Likes unterscheiden, was die Zweifel der User bezüglich der Echtheit dieser Likes bestätigt, die hier auch in einem Video ausgesprochen werden.

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