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Nachrichten aus Kultur und Medien

Foo, Bar und die Haushaltspauschale

05.02.2013

Die neue Religionsgemeinschaft der "Nerdisten" will das Rundfunkbeitrags-Schlupfloch vor Gericht austesten

Das vom Christihimmelsfahrtkommando und dem Humanistischen Pressedienst entdeckte theoretische Schlupfloch zur Vermeidung der neuen Rundfunkgebühr hat Anhänger gefunden: Der Düsseldorf Bernd Liefert rief die Religionsgemeinschaft der Nerdistischen Schwestern und Brüder ins Leben gerufen, deren Mitglieder er nach § 5 Absatz 5 Nummer 1 des neuen Rundfunkbeitragsstaatsvertrags befreit wissen will, weil ihr Glaube das Wohnen in Wohnungen als Sünde ablehnt, weshalb sie nicht in solchen, sondern in "Microzentren" gemeldet sind, die "der Ausrichtung und Ausübung von Foo" dienen. Dieser "Foo" ist das Äquivalent zum christlichen Gottesdienst und umfasst alle Dinge "die ein Mensch für gewöhnlich Zuhause macht".

Die Pflicht zum "Foo" ist (ebenso wie das Gebot "Tu jeden Tagen Bar") in den Zehn Geboten der Nerdisten festgeschrieben, die sonst weitgehend Stephen Levys Hackerethik entsprechen. Weiterhin beruft man sich in Glaubensfragen auf Wau Holland, Richard Stallman und eine "Große Headerschrift" – ein Witz, den man beim Focus offenbar nicht verstanden hat. Der Beitritt zur Religionsgemeinschaft ist ähnlich einfach wie bei den Kopimisten: Wer sich zugehörig fühlt, der gehört den Nerdisten an und kann dies per Mail mit dem Betreff "Rundfunkbeitrag einsparen" mitteilen oder auch nicht. Nach eigenen Angaben hat man mit 5000 Gläubigen in ganz Deutschland bereits mehr Anhänger als manche Freikirche.

Sollte die GEZ-Nachfolgebehörde versuchen, die (anderen Zwecken zugedachten) Rundfunkbeiträge mit Zwang einzutreiben, will man auch den Gang vor Gericht nicht scheuen. Dort geben Juristen der Religionsgemeinschaft unter anderem deshalb wenig Chancen, weil bewohnte "Microzentren" selbst bei großzügiger Auslegung der Vorschrift immer noch als Wohnungen und nicht als Betriebsstätten gewertet werden dürften. Dafür könnte ein Prozess deutlich bessere Unterhaltung liefern, als dies ARD und ZDF derzeit vermögen.

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