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Nachrichten aus Kultur und Medien

Friedensnobelpreisträgerin gegen Homosexuellenrechte

20.03.2012

Liberias Staatschefin Ellen Johnson Sirleaf will an der Kriminalisierung Homosexueller mit Verweis auf kulturelle Werte in Afrika nichts ändern

Man sollte annehmen, dass sich Friedensnobelpreisträger dadurch auszeichnen, dass sie für Menschenrechte ein Gespür haben und sich dafür einsetzen. Die Haltung der letztjährigen Preisträgerin Ellen Johnson Sirleaf verstärkt Zweifel daran, ob das norwegische Nobelkomitee gut beraten ist, Staatsoberhäupter mit dem Preis zu schmücken ( Wird der Friedensnobelpreis nach dem Willen des Stifters vergeben?).

Mit den Worten "Wir mögen uns, wie wir sind" und "Wir haben bestimmte traditionelle Werte in unserer Gesellschaft, die wir erhalten wollen", kanzelte Liberias Präsidentin Fragen einer britischen Reporterin ab, die wissen wollte, ob Sirleaf gegen Gesetze eintreten würde, die Homosexuelle in Liberia bestrafen. Anlass für die Frage sind zwei Gesetzentwürfe. Der Entwurf des Abgeordneten Clarence Massaquoi wird gerade in einem Ausschuss behandelt. Er sieht vor, sexuelle Praktiken zu einer Straftat zweiten Grades zu machen, auf die bis zu fünf Jahre Haft stehen. Bestraft werden soll nach dem Entwurf des Parlamentariers auch Personen, die andere gleichen Geschlechtes zu sexuellen Aktivitäten verführen oder ermuntern.

Die Begründung Massaquois hat Ähnlichkeiten zur Aussage der Nobelpreisträgerin und Staatschefin: "Homosexualität gehört nicht zu unserer Existenz als Volk. Wir waren nie so."

Der andere Gesetzentwurf stammt von der früheren First Lady Jewel Taylor, die jetzt Senatorin ist - sie war bis 2006 mit Charles Taylor verheiratet. Taylor, bis 2003 Präsident Liberias, muss sich seit 2007 wegen mehrerer Kriegsverbrechen in Den Haag verantworten; ein Urteil wird "in Kürze" erwartet. Jewel Taylors Gesetzentwurf schlägt vor, aus der gleichgeschlechtlichen Ehe eine Straftat ersten Grades zu machen, mit Gefängnisstrafen bis zu 10 Jahren. Der Guardian zitiert Jewel Taylor mit den Worten:

"Homosexualität ist ein Verbrechen. Es ist unafrikanisch."

Ihr Gesetz-Entwurf wird allerdings schon seit langem in einem Ausschuss besprochen, manche Politiker glauben, dass er dort auch hängen bleibt.

Bislang sieht Liberias Gesetzgebung Strafen bis zu einem Jahr für "voluntary sodomy" vor. Laut einem Menschenrechtsbericht des US-Außenministeriums gab es aber länger keine Verurteilungen unter dem "Sodomie-Gesetz". Vertreter von schwulen und lesbischen Communities sagen allerdings, dass sie sich seit kurzem Sorgen um ihre Sicherheit machen, sie würden häufig bedroht und auch angegriffen. Archie Ponpon, der im Januar das Movement for the Defense of Gays and Lesbians in Liberia (Modegal) gegründet hat, klagt ebenfalls über tätliche Angriffe.

"What we are simply saying is that those who want to practice same-sex relationship should not be molested."

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