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Fußball: "Auffälliger Gang" hat Analkontrolle zur Folge

19.03.2013

Polizei sieht Durchsuchung als "gerechtfertigt und verhältnismäßig"

Man kann John Cleese keine Besuche in Darmstadt empfehlen. Und wenn, dann sollte er zumindest das Stadion des Fußballvereins Darmstadt 98 meiden und dort auf keinen Fall seine Silly Walks vorführen. Sonst könnte es ihm passieren, dass ihn die Polizei im "Anal- und Genitalbereich" untersucht.

Das machte sie am 3. März bei zwei 17 und 20 Jahre alten Männern aus Ostdeutschland, die sich ein Auswärtsspiel ihres Vereins Hallescher FC ansehen wollten und durch einen "auffälligen Gang" das Interesse der Sicherheitsbeamten erregten. Die baten sie darauf hin in ein Zelt und unterzogen sie einer entsprechenden "Nacktkontrolle". Weil den beiden Fußballfans nach eigenen Angaben verweigert wurde, die Durchsuchung durch ein Fernbleiben vom Stadion zu vermeiden, haben sie einen Rechtsanwalt damit beauftragt, Beschwerde- und Klagemöglichkeiten zu prüfen.

Die Polizei rechtfertigt sich mit dem Hinweis, man habe aufgrund des auffälligen Gangs vermutet, dass die Besucher Bengalische Fackeln an (oder in) ihren Körpern in das Stadion einschmuggeln wollten. Auch wenn letztlich keine pyrotechnischen Vorrichtungen gefunden wurden, seien die "durchgeführten Maßnahmen […] zum Zwecke der Gefahrenabwehr erforderlich" sowie "gerechtfertigt und verhältnismäßig" gewesen. Bengalische Fackeln erzeugen eine Hitze von bis zu 2.000 Grad und können schwere Verbrennungen und Blendungen verursachen. Deshalb sind sie in Sportstadien verboten. Fans, die sie einschmuggeln wollen, werden registriert und erhalten bundesweit Stadionverbot.

Dass die Polizei das Vorgehen als noch verhältnismäßig erachtet, dürfte auch damit zusammenhängen, dass Fußballrowdys in den letzten Jahren durch zunehmende Gewalttätigkeit von sich Reden machen. 2009 hatten Halle-Fans zusammen mit Anhängern des FC Magdeburg Polizisten "in einen Hinterhalt gelockt und danach aus mehreren Richtungen angegriffen", wobei 16 Beamte verletzt wurden. Und bei einem Auswärtsspiel von Dynamo Dresden in Kaiserslautern überfielen Vermummte im Februar einen Bus mit Unbeteiligten, denen sie teilweise schwere Verletzungen zufügten. Unter anderen wurde dabei ein Rentner "fast durch eine gesplitterte Scheibe gezogen".

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