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Nachrichten aus Kultur und Medien

Geheimdienstliche Leichenschändung

22.01.2012

Makabere Inszenierung im "Ohnesorg-Staatsheater"

Wie DER SPIEGEL vermeldet, gab es beim angeblich aus Notwehr erfolgten Schuss auf den Studenten Benno Ohnesorg durch den West-Berliner Polizisten (und IM des MfS) Karl-Heinz Kurras uniformierte Zeugen, die bislang schwiegen. Der Todesschuss wurde sogar auf Film festgehalten.

Man frisierte nicht nur die Akten, sondern dokterte auch an der Leiche herum. Im Krankenhaus Moabit haben Ärzte offenbar Schädelteile um das Einschussloch herum entfernt und die Kopfhaut wieder zugenäht. Die im Totenschein als Todesursache angegebene "Schädelverletzung durch stumpfe Gewalteinwirkung" habe der ausstellende Arzt dem SPIEGEL zufolge auf Anweisung eines damaligen Chefs attestiert. Seit 45 Jahren versuchte mithin der Staat, eine Generation um ihre Geschichte zu betrügen, jedoch heizte das Ereignis im Gegenteil das Misstrauen gegen den Staat an und stand am Anfang der Radikalisierung.

Diese makabere Operation von 1967 erinnert an die beiden 1963 erfolgten widersprüchlichen Leichenschauen des erschossenen Präsidenten John F. Kennedy. Die in Dallas zuständigen, mit Schusswunden erfahrenen Ärzte hatten keinen Zweifel an einem frontalen Schuss, wofür schon die kleine Eintritts- und die große Austrittswunde sprachen. Bei einer zweiten, erstaunlicherweise vom Militär eigenmächtig angeordneten Untersuchung in einem Militärhospital, bei der Kennedys Gegner, der ultrarechte Airforce General Curtis LeMay zugegen war, schien die Austrittswunde wieder zugewachsen zu sein. Der leitende Militärarzt, der noch nie eine Obduktion vorgenommen hatte, verbrannte später die Originale seiner Unterlagen. Die Fotos der Autopsien sind offiziell noch immer unter Verschluss, jedoch längst geleakt.

Leichen erweisen in der modrig schillernden Geheimdienstwelt immer mal wieder einen Dienst in Sachen Desinformation. Berühmt wurde die "Operation Mincemeat" aus dem Zweiten Weltkrieg, in welcher die Briten den Deutschen gefälschte Angriffspläne zuspielten. Hierzu kleidete der britische Geheimdienst eine Leiche in Uniform, um diese als "Major Martin" zu inszenieren, der an der italienischen Küste als vermeintlich Ertrunkener samt irreführenden Plänen gefunden wurde.

Als 1989 in Rumänien die Zeichen auf Revolution standen, versuchte ein Geheimdienst das Klima weiter aufzuheizen, indem er aus Krankenhäusern besorgte Leichen als vermeintliche Opfer von Regierungstruppen inszenierte. Da diese Propaganda-Operation dilettantisch ausgeführt wurde, erkannte die Zivilbevölkerung den Schwindel sofort. Kurz darauf gab es jedoch tatsächlich Todesschüsse der Regierung auf Demonstranten, so dass die skurrile Begebenheit kaum Aufmerksamkeit erregte.

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