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Twister schreibt

Geheimnisvolle Ritualmorde in Europa und Xavier Naidoo

Wer es bisher noch nicht wusste, weiß es jetzt – in Europa finden viele rituelle Babymorde statt. Das lässt sich zwar nicht beweisen, aber bei einer solchen Tat ist das natürlich klar. Nur Experten wissen etwas - wie z.B. Xavier Naidoo.

Bisher ist es lediglich ein Raunen im medialen Blätterwald. Die Jugendorganisation der Linken, die sich den pragmatisch-kernigen Namen "Solid" gab, soll die beiden Musiker Xavier Naidoo und Cool Savas, die gemeinsam unter dem Namen "Xavas" eine CD herausbrachten, wegen Volksverhetzung angezeigt haben. Stein des Anstoßes ist dabei ein auf der CD "Gespaltene Persönlichkeit" verstecktes Lied namens "Wo sind", das sich laut Xavier Naidoo mit einem bisher tabuisierten Thema befasst: Rituelle Kindermorde (durch Satanisten).

Wie es sich für Rapper und Zeitgeister gehört, wird eine solche Kritik natürlich nicht eindeutig formuliert, vielmehr folgt das Stück dem "Assoziations"-Duktus, den auch Interpreten wie Rammstein, Joachim Witt und viele andere nutzen. Sie formulieren ihre Texte so, dass letztendlich jeder etwas für sich herauslesen kann, sich praktisch in den Texten wiederfindet. So wartet auch "Wo sind" mit einem bunten Mischmasch aus Assoziationen geradezu lockenden Textzeilen auf. Wenn auch kein kompletter Text im Web zu finden ist, bietet Yigg wenigstens ansatzweise eine Idee davon, was der Titel an Text mit sich bringt.

Ich schneide Euch jetzt mal die Arme und die Beine ab
und dann fick ich Euch in'n Arsch, so wie Ihrs mit den Kleinen macht.
Ich bin nur traurig und nicht wütend. Trotzdem würd ich Euch töten.
Ihr tötetKinder und Föten und ich zerquetsch Euch die Klöten.
Ihr habt einfach keine Größe
und Eure kleinen Schwänze nicht im Griff. Warum liebst Du keine Möse?
Weil jeder Mensch doch aus einer ist.

So zumindest jener Textteil, der "Solid" zum Handeln bewegt haben soll, weil er munter Pädophilie, Homosexualität und Ritualmorde an Kindern, verbunden mit sexueller Misshandlung, verquickt. Doch wer sich den Text in Gesamtheit ansieht (bzw. die bei yigg zu findende Textdarstellung), stellt fest, dass hier eine Gemengelage entstanden ist, die alles und nichts bedeuten kann.

Die Stadt strahlt. Chaos!
Siee treffen sich im Keller und rasten aus zelebrieren den ??? Schrei. Lasst ihn raus!
Wir liefern Dir ein Opfer gerade nackt im Rausch.
Niemand will drüber reden. Wenn die Treibjagd beginnt,
ziehen sie los, um zu wildern. Denn ihr Durst ist unstillbar und schreit nach nem Kind.
Okkulte Rituale besiegeln den Pakt der Macht.
Mit unfassbarer Perversion werden Kinder und Babies abgeschlachtet. Teil einer Loge,
getarnt unter Anzug und Robe. Sie schreiben ihre eigenen Gebote.
Bruderschaftenrecht austeilen. Sie fühlen sich sicher und überlegen, posieren vor uns, lächeln ins Blitzlicht, frei von jeglicher Empathie.
Gefühlslose Bestien erklären sich zu Göttern durchs Übertreten von Grenzen, jonglieren
mit der Macht, präsentieren sich auf Bühnen.
Doch sie können nur so lang spielen,
wie wir uns nicht informieren.
Wo sind die Kämpfer hin? [/b]
Verbunden mit einem Einspieler einer Frauenstimme, die von irgendwelchen Anschuldigungen eines Jungen gegenüber seinem Vater berichtet / berichten soll, wird insofern aus "Wo sind" ein Text, der für jeden etwas bietet – Homophobie, Ritualmorde, Pädophile, Kindesmisshandlung und -tötung, Bruderschaften und Geheimbünde, Richter oder Anwälte...
Interessant dabei ist, dass Xavier Naidoo in einem Interview zum Song über Ritualmorde sprach, die derzeit in Europa passieren würden. Wie immer, wenn solch emotionale Aspekte dazu dienen, Betroffenheit zu erzeugen, geht aber Naidoo nicht darauf ein, woher er denn über solche Ritualmorde weiß oder ob es dafür irgendwelche Beweise gibt. Vielmehr reicht es, wie bei vielen emotionalen Themen, einfach mal ins Blaue zu behaupten, es könne für solche Dinge gar keine Beweise geben, aber es gäbe sie natürlich. Die Logik dahinter ist klar: Wer Beweise will, ist empathielos oder verblendet; diejenigen, die um diese Dinge wissen, sind entweder selbst involviert, schützen die Involvierten oder sind natürlich tot, weil sie etwas ausplaudern wollten, bzw. zwar lebendig, schweigen aber aus Angst. So entsteht eine lückenlose Argumentationskette für fehlende Argumente und Beweise. Dass die Sprecherin Naidoos meint, es gäbe immer Aufregung, wenn "solche Themen behandelt werden würden", spricht Bände dafür, dass letztendlich für die von Xavier Naidoo so mysteriös angedeuteten "tatsächlich ganz viel in Europa passierenden Ritualmorde" keinerlei Beweise oder gar Indizien bestehen.
Was die Homosexualität bzw. die Päderastie mit den Ritualmorden zu tun haben soll, wird wohl ebenso Xavier Naidoos Geheimnis bleiben wie die die Antwort auf die Frage, wieso er nicht bereits Staatsanwaltschaften, Polizei und Co. über sein Wissen bezüglich der Ritualmorde informiert hat.
Cool Savas beruft sich in seiner Verteidigungsrede auf die beliebte "Wer meckert, versteht mich nicht"-Argumentation und meint, Anzeigen würden stets nur dazu dienen, Aufmerksamkeit auf die Anzeigenden zu ziehen. Er fordert Solidarität seitens der HipHopSzene, allerdings auch ohne seinerseits in irgendeiner Form zur Aufklärung um die "tabuisierten Ritualmorde" beizutragen.
Es stellt sich also die Frage, wieso gerade die beiden Herren von den offensichtlich völlig tabuisierten Themen Ritualmorde (durch Satanisten) wissen und wieso sie ihr Wissen nicht teilen. Zwar gibt es ein Dokument, das davon berichtet, wie ein offensichtlich verwirrter Mensch Stimmen hört, die ihm befehlen, seinen Sohn zu opfern, doch hierbei handelt es sich weder um einen aktuellen Fall noch um einen solchen, der in Europa stattfand. Vielmehr wurde bei dem Mann namens Abraham, ggf. auch wegen der damals noch nicht wirklich fortgeschrittenen Möglichkeit, Psychosen zu heilen, keine Geisteskrankheit festgestellt, auch seine Körperveränderung, die er auf Grund der diese von ihm fordernden Stimmen vornahm, führte lediglich dazu, dass noch heutzutage Menschen ihm gleichtun und diese Art der Körperveränderung sogar auf Grund dieser Erzählung an ihren Kindern vornehmen. Der gläubige Christ Xavier Naidoo hat sicherlich nicht von diesem Fast-Ritualmord gesprochen, doch welche er sonst meint, bleibt offen.
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