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"Generation Praktikum"

10.05.2011

Studie sieht Praktikumswesen in kritischem Licht. Nur in 22% aller Fälle führt ein Praktikum zu einem Arbeitsangebot.

Während noch vor wenigen Jahren ein Praktikum üblicherweise während der Ausbildung erforderlich war und die damaligen Praktikanten vielfach nur einen kleinen Einblick in den Betrieb bekamen, manchmal auch nur Botengänge machten oder Kaffee kochten oder sonstige eher nebensächliche Arbeiten erledigten, sind drei Viertel der Praktikanten heutzutage nach eigener Einschätzung fest in den Unternehmensprozess eingebunden.

Nach einer aktuellen (allerdings nicht repräsentativen) Studie der DGB-nahen Hans-Böckler-Stiftung, in der 674 Hochschulabsolventen befragt wurden, landen 28% der Hochschulabsolventen im Anschluss an die Studienzeit in einem Praktikum. Immerhin 27% finden eine befristete Arbeitsstelle. Lediglich 19% der Hochschulabsolventen können den Einstieg ins Berufsleben mit einer unbefristeten Anstellung zu beginnen. 11% gehen in die Selbständigkeit oder arbeiten als Freiberufler.

Dabei verrichten die Praktikanten überwiegend die gleichen Arbeiten wie Festangestellte, erhalten aber nur wenig oder gar kein Geld für die geleistete Arbeit. Die Nutzung der Arbeitsleistung von Praktikanten scheint bei den Unternehmen derart beliebt zu sein, dass man aufgrund der Fülle der beschäftigten Praktikanten mittlerweile von der "Generation Praktikum" spricht. "Ohne Praktikantinnen und Praktikanten hätten viele Unternehmen ein gravierendes Problem", sagte dazu die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock.

40% der Praktikanten erhalten für ihre Mitarbeit überhaupt keine Entlohnung. Bei jenen, die eine Entlohnung erhalten, liegt diese bei durchschnittlich 551 Euro und ist damit im Vergleich zu den Vorjahren gesunken. Nur 22% der Praktikanten erhalten eine Vergütung von über 600 Euro. So dürfte es auch nicht verwundern, dass 40% der Praktikanten finanzieller Unterstützung bedürfen, die überwiegend noch von den Eltern kommt (56%), von Erspartem oder zusätzlichen Jobs (je 43%). Der Staat muss allerdings noch über einem Fünftel (22%) der Praktikanten mit Sozialleistungen unter die Arme greifen.

Dabei ist Praktikum nicht gleich Praktikum. Während einige Unternehmen die Zeit nutzen, um den Praktikanten in einer Form innerbetrieblicher Weiterbildung auf spätere Aufgaben für eine Festanstellung im Betrieb vorzubereiten, sehen andere Unternehmer Praktikanten lediglich als preiswerte Arbeitskräfte. Ein Praktikum kann durchaus eine Chance zum Einstieg in das Unternehmen sein. Groß ist diese allerdings nicht. Lediglich in 22% der Fälle wird ein Angebot auf befristete oder unbefristete Weiterbeschäftigung gemacht. Dabei sehen die meisten Praktikanten ihren Einsatz im Unternehmen durchaus positiv. 55% bewerten ihr Praktikum als "gut" und nur 20% als "schlecht".

Der DGB fordert daher eine Mindestvergütung für Praktikanten von 300 Euro und Begrenzung eines Praktikums auf drei Monate. Ein Praktikum dürfe "keine vorgelagerte Probezeit darstellen, die noch dazu aus eigener Tasche – oder besser aus: aus der Tasche der Eltern und durch Sozialleistungen – finanziert werden muss", so der DGB. Bei der heutigen Bedeutung der Praktikanten in Unternehmen sieht die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) das wenig überraschend etwas anders. Hier ist man der Meinung, dass die vom DGB beabsichtigte Verkomplizierung von Praktika einen wichtigen Weg in den Arbeitsmarkt verbaue. Die "Generation Praktikum" sei zudem eine Legende.

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