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Geplatzte Bomben - Celler Löcher in Luxemburg?

03.05.2013

Die Luxemburger „Affaire Bommeleeër“ bringt Ermittlungsbehörden in Verlegenheit

Am 31. Prozesstag, der wieder vom Luxemburger Wort und vom Tageblatt protokolliert wurde, vernahm das Gericht den Ermittler Joel Scheuer, der zur polizeilichen Untersuchung der zwischen 1984 und 1986 gezündeten bzw. ausgelegten Bomben aussagte.

Den Ermittlern zufolge verwendeten die Täter mit einer Ausnahme durchweg den Luxemburger Sprengstoff Luxite, der zuvor in Steinbrüchen gestohlen wurde. In einem der Steinbrüche wurde besonders häufig eingebrochen. Nach Meinung eines für die Sprengungen zuständigen Ingenieurs müssen sich die Täter genau ausgekannt haben, weil sie sich sonst unweigerlich in den Stollen verlaufen hätten. Der Verteidiger Gaston Vogel merkte an, für diesen Steinbruch habe sich die NATO Maintenance and Supply Agency besonders interessiert. Der Luxemburger Geheimdienst SREL soll sogar einen Plan der Anlage besessen haben.

Erkennbar hätten die Attentäter bei der Ausführung über Know How verfügt, wobei den Unbekannten beim Sprengen der Strommasten zunächst ein Fehlschlag unterlief, weil die Ladung zu hoch angebracht worden war. Auch das Attentat auf die Kasematten missglückte teilweise, weil zwei Dieselkanister nicht explodierten, was eine publikumswirksame Rauchentwicklung bewirkt hätte. Die Zündung der Sprengsätze sei teilweise pyrotechnisch mit Sprengschnüren, teilweise elektrisch durch Seilzüge und Eieruhren bewirkt worden. Bei der nicht ausgelösten Sprengfalle in Asselscheuer war Dynamit unbekannter Herkunft verwendet worden, das mit einem elektrischen Sprengzünder und einem gespannten Stolperdraht verbunden war. Das Opfer sollte durch eine rote Stablampe angelockt werden.

Die gleiche Art von Stablampe war später auch auf dem Flughafen Findel gefunden worden, wobei in der Stablampe eine Sprengfalle verborgen war. Als ein Flughafenmitarbeiter die Lampe aufhob, löste er hierdurch einen Quecksilberschalter aus, der eine Zündkapsel zur Explosion brachte. Zwar war die Zündkapsel nicht mit Sprengstoff verbunden, verletzte jedoch den Mann schwer an der Hand. Derartige Quecksilberschalter wurden etwa in Spielautomaten verwendet. Das Herstellerkennzeichen am Quecksilberschalter war unkenntlich gemacht worden. Einen solchen Schalter stellte man ausgerechnet in der ehemaligen Waffenkammer der Gendarmerie sicher, wo eine Kiste mit sämtlichen Materialien beschlagnahmt wurde, die auch in den verwendeten Sprengfallen benutzt wurden. Die Herkunft der Materialien konnte erstaunlicherweise nicht geklärt werden. So geheimnisvoll die Kiste erschienen war, so geheimnisvoll verschwand sie auch wieder aus den Asservaten. In der Luxemburger Gendarmerie sollen damals Bombenhandbücher von US-Behörden und deutschem Bundeskriminalamt (BKA) kursiert haben.

Bei einigen Anschlägen wurden aus unerfindlichen Gründen keine kriminaltechnischen Untersuchungen durchgeführt. Bei anderen bat man zur Analyse der Sprengtechniken und Sprengstoffe seinerzeit zunächst das deutsche BKA um Hilfe. Jedoch seien nicht nur die Ergebnisse unbefriedigend gewesen, vielmehr soll sichergestelltes Material nicht vom BKA zurückgekommen sein - wobei unklar ist, ob es überhaupt dahin abgeschickt wurde. Später habe man sich der Königlichen Militärakademie in Brüssel bedient. Angesichts des damaligen Ermittlungseifers des BKA und anderer Behörden gegenüber dem Linksterrorismus kann man über die behaupteten Ermittlungspannen nur staunen - oder sich an ein wenig ruhmreiches Kapitel deutscher Geheimdienstgeschichte erinnern.

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