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Außer Kontrolle
Twister schreibt

Gerettete Kinder oder was man darunter versteht

Ein kanadischer Kinderpornoring, der vor kurzem gesprengt worden sein soll, gibt Rätsel auf. Schon die Zahlenjongliererei zeugt von unsauberer Berichterstattung.

Wenn "Kinderpornoringe" gesprengt werden, dann sind die Zahlen in den Medien stets bedrückend. Zigtausende Medien, Bilder, Filme, Mega-, Giga- und Terabytes an Daten, Hunderte Verdächtige... oft genug relativieren sich solche Zahlen im Laufe der Berichterstattung oder es zeigt sich, dass die "50.000 kinderpornographischen Bilder" in Wirklichkeit "50.000 Bilder, darunter auch kinderpornographische" waren. Oft genug finden sich unter den Verhafteten kaum Produzenten von Material, welches sexuelle Gewalt an Minderjährigen dokumentiert, gerettete Kinder sind eine Seltenheit. Umso erfreulicher war es, als vor einigen Tagen berichtet wurde, es seien nun im Zuge der "Operation Spade" nicht nur Konsumenten, sondern vielmehr auch Produzenten verhaftet sowie Kinder gerettet worden. "Hunderte Kinder gerettet" titelte beispielsweise Spiegel Online und warf die Zahl 386 in den virtuellen Raum.

Eine Zahl, die auch der Tagesspiegel übernahm, wobei es dem zuständigen Autoren nicht einmal auffiel, dass er selbst im betreffenden Artikel nicht einmal erläutern konnte, inwiefern hier Kinder gerettet wurden, sondern nur mehr von "386 als Opfer identifizierten Kindern" schrieb. Die in Kanada beheimatete Globe and Mail zitiert Inspector Joanna Beaven-Desjardins, commander of the Toronto police sex crimes unit: "At least 386 minors were removed from harm’s way, ", was auch bedeuten könnte, dass nicht von sexueller Gewalt betroffene Kinder von Verdächtigen (vorübergehend) in Obhutnahme kamen usw. Die Zahl lässt also viele Interpretationen zu und die betreffende Polizei ist derzeit, im Zuge der noch stattfindenden Ermittlungen, wortkarg. Die Ermittlungen stehen im Zusammenhang mit den in Szenekreisen bekannten "Azov films", deren Betreiber, Brian Way, bereits seit 2011 in Haft ist und im Dezember 2013 eine Anhörung vor Gericht haben wird. Brian Ways Mutter, Sandra Waslov, die als Mittäterin gesucht wird, hat sich der Verhaftung entzogen und wird in den USA vermutet. "Azov films" selbst sieht sich als Seite mit "Naturistenvideos".

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