p
Nachrichten aus Politik und Wirtschaft

Grün und Schwarz auf Schmusekurs

21.11.2012

Weil es für Rot-Grün nicht reicht, könnten nach neuen Umfrageergebnissen Grüne und SPD miteinander konkurrieren, Piraten wieder bei 5 Prozent

Die Grünen scheinen davon zu profitieren, nicht nur eine Koalition mit der SPD eingehen zu können, sondern auch mit der Union. Herbeigeredet wurde die Verbürgerlichung der Partei als eine Art neuer FDP vor allem, seitdem Künast und Roth bei der Wahl scheiterten und Katrin Göring-Eckardt zur Spitzenkandidatin neben Jürgen Trittin gekürt wurde.

Anzeige

Zwar haben die Grünen bei ihrer Bundesdelegiertenkonferenz versucht, das Kokettieren mit der Union in den Hintergrund treten zu lassen, aber nach dem neuen stern-RTL-Wahltrend bräuchten sie das Parteivolk nicht zu sehr fürchten. 50 Prozent der Grünenwähler könnten sich eine Koalition mit der Union vorstellen, auch bei der Union wären dafür 47 Prozent offen.

Man ist also in der so genannten Mitte angekommen. Insgesamt fände ein Drittel eine schwarz-grüne Koalition gut, am meisten Befürworter fände sie bei den 18-29-Jährigen (45 Prozent) und bei den Frauen (38 Prozent). Mittlerweile glauben schon 29 Prozent, Schwarz-Grün würde besser regieren als Schwarz-Gelb, da gehen die Sympathien eindeutig auf die Grünen, wobei allerdings 41 Prozent keinen Unterschied sehen. Das könnte darauf schließen lassen, dass Grüne und FDP austauschbar für austauschbar gehalten werden, was die Grünen wieder als neue liberale und nicht linke Kraft bestätigt würde, oder aber, dass es bei der Dominanz der Union sowieso egal ist, wer der Koalitionspartner wird.

Allerdings könnte eine wirkliche Annäherung zwischen Grünen und Union nicht nur den Grünen Stimmen kosten, das Drängeln in die Mitte der Grünen hat bereits der SPD geschadet und kostet nun auch der Union Stimmen. Während die Grünen um 2 Punkte auf 16 Prozent zulegen, verliert die Union 3 Punkte und fällt auf 36 Prozent. Das ist immer noch weit vor den 26 Prozent, auf die sich die SPD mit ihrem glücklosen Spitzenkandidaten eingeschossen hat. Da die FDP weiterhin mit 4 Prozent auf Loser-Position verharrt und es auch bei glücklichen Veränderungen unwahrscheinlich wäre, dass sie mehr als 5-6 Prozent erreicht, ist zumindest derzeit weder eine Fortsetzung von Schwarz-Gelb noch eine rot-grüne Koalition möglich.

Die Grünen müssten sich also, wenn sie in die Regierung drängen, an die Union hängen und auf dem Heiratsmarkt mit der SPD konkurrieren, da eine große Koalition immer möglich wäre und wahrscheinlich auch von einer Mehrheit gewünscht würde. Bis auf die FDP profitieren allerdings gerade die kleineren Parteien. Die Linken legen einen Punkt auf 8 Prozent zu - und auch die Piraten liegen gerade wieder auf 5 Prozent. Für sie wird alles daran liegen, ob sie sich einerseits weiter als Alternative zu den etablierten Parteien präsentieren können, aber andererseits auch mehr sind als ein ungefülltes Versprechen. Vermutlich wird es auch davon abhängen, ob sich trotz aller Basisdemokratie ein paar Piraten durchsetzen können, die der Partei ein Gesicht geben.

fehler melden
drucken
versenden
zitieren
service:
drucken
versenden
facebook
twitter
google+
rss feeds
newsletter
folgen:
facebook
twitter
google+
rss
newsletter
http://heise.de/-1998540
Anzeige
>
<

Darstellungsbreite ändern

Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.

Cover

Es werde Geld ...

Eine kurze Geschichte des Geldes

Cover

Die berechnete Welt

Leben unter dem Einfluss von Algorithmen

Es werde Geld ... Enthemmte Wirtschaft Cold War Leaks
bilder

seen.by


TELEPOLIS