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Nachrichten aus Politik und Wirtschaft

Guttenberg ist der Liebling der Deutschen

05.11.2010

Auch wenn der Adelige hoch im Ansehen steht, sind derzeit die Grünen die einzigen Gewinner

Der Siegeszug der Grünen in den Umfragen ist ungebrochen

Im neuesten DeutschlandTrend konnten einzig die Grünen wieder 2 Punkt auf nun 22 Prozent zulegen. Das Wochenende der Castor-Proteste und die von der Mehrheit abgelehnte Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke dürften mit ein Grund sein. Zudem scheinen die Grünen wenigstens eine Zukunftsperspektive anzubieten, die anderen Parteien verwalten die politische Vergangenheit und suchen sich an Trends anzuhängen.

Trotz Aufschwung können Union und FDP nicht zulegen. Noch immer sind die meisten Deutschen mit der Arbeit der Regierungskoalition unzufrieden, die auch wenig Fetttöpfchen auslässt und weiterhin nicht den Eindruck vermittelt, dass sie einen konsistenten und überzeugenden Weg in die nächste Zukunft besitzt. Daher finden sie auch eher Anklang bei den gut Gebildeten und auch bei den Menschen mit höheren Einkommen. Ob sie die Jugend erreichen, geht aus dem DeutschlandTrend nicht hervor, aber wenn ein Drittel der Grünenfreunde zwischen 49 und 59 Jahre ist, dann fehlt auch hier der Nachwuchs. Für eine junge Partei wäre vermutlich noch Platz, weil keine der vorhandenen Parteien, die ressentimentgeladenen sowieso nicht, für sie wirklich attraktiv ist.

Die Lockung mit der Steuersenkung verfängt trotz guter staatlicher Einkommensaussichten immer noch nicht. 23 Prozent (11 Prozent mehr) sind für Steuersenkungen, aber immer noch 57 Prozent für den Abbau der Schulden und 18 Prozent plädieren dafür, Steuermehreinnahmen für wichtige Ziele einzusetzen. Dass die Menschen nicht glauben, die Regierung habe den Aufschwung gemacht, ist verständlich und vernünftig, sie sehen zwar mehrheitlich, dass die wirtschaftliche Lage allgemein gut ist, die wenigsten, nämlich 29 Prozent sagen aber, dass der Aufschwung auch bei ihnen ankommt. Wobei offenbar die Selbständigen und die besser Verdienenden eher sagen, dass sie vom Aufschwung profitieren. Das müsste Politikern als Warnung dienen, dass Aufschwung XXL oder so nicht mehr automatisch heißt, dass alle profitieren, sondern dass auch die Kluft sich weiter vergrößern kann.

Es scheint, dass die große Zeit der Linken wieder allmählich zu Ende geht, zumindest im Westen, im Osten ist die Linkspartei weiterhin stärker als die Grünen und die SPD und fast so stark wie die CDU, im Westen liegen die beiden Randparteien, die FDP und die Linke, jeweils bei 5 Prozent, während die Mitte sich zunehmend aufdrittelt.

Dass für die Union mittlerweile der adelige Guttenberg auch oder weil ohne große Leistung als Superman und Heilsbringer gilt, verwundert nicht. Merkel hat er schon weit hinter sich gelassen. Für die lange Zeit aussitzende und nun zu nicht mehrheitsfähigen Entscheidungen neigende Kanzlerin sind nur noch 28 Prozent, 58 Prozent finden, der Mann aus der CSU sei der bessere Kanzlerkandidat für die nächsten Wahlen.

Dass Westerwelle mittlerweile hinter Gysi in der Popularität liegt, dürfte nicht verwundern, aber warum der weinselige Brüderle derzeit einen so hohen Auftrieb hat, stimmt schon bedenklich für die Gemütslage der Deutschen. Die finden wieder mal in Guttenberg ihren liebsten Politiker - vielleicht weil er ähnlich blass ist, wie Merkel vor dem "Herbst der Entscheidungen".

Steinmeiers Organgeschenk an seine Frau war jedenfalls politisch ein Bonus. Er steht jetzt an zweiter Stelle. Wie er das politisch verdient hat, ist ebenso zweifelhaft wie bei Guttenberg. Das Volk liebt die Lieben und Anständigen, die was hermachen, aber nicht anecken. Schäuble hat auch noch einen Bonus als Dritter, die immer unsäglichere Leyen kommt weiter an. Immerhin steht an 5. Stelle Künast, die Ecken und Kanten zeigt. Und gut ist auch, dass sich zumindest gegenwärtig die Deutschen von der Terrorhysterie nicht mehr einfangen lassen.

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